§ 146. Einzelne Arten von Dienstbarkeiten an Grundstücken. 667
sie nicht zum Schutze des jungen Baumwuchses in Schonungliegen 44 . Verstöfst der Berechtigte gegen die Weideordnung, sohat er allen entstandenen Schaden zu ersetzen 45 .
e. Eine Beeinträchtigung seines Rechts durch Kultur-v e r ä n d e r u ngen braucht der Berechtigte an sich nicht zudulden 46 . Doch hat sich, da gerade hierin die Kulturschädlichkeitder Weiderechte wurzelt, mehr und mehr die Auffassung Bahngebrochen, dafs der Eigentümer des belasteten Grundstücks nurdie Beseitigung oder erhebliche dauernde Schmälerung des Weide-rechts vermeiden mufs, dagegen die im land- oder forstwirtschaft-lichen Interesse gebotenen Veränderungen insoweit vornehmen darf,als der Berechtigte dadurch nicht geschädigt wird oder ausreichen-den Ersatz erhält 47 . Neuere Gesetze gestatten Kulturveränderungenin noch weiterem Umfange 48 .
2. Weide gemein Schafts Verhältnisse. Dem Weide-
rechte entspringen eigenartige Gemeinschaftsverhältnisse.
a. Der Eigentümer des belasteten Grundstücks hat, wenn nichtausdrücklich das Gegenteil bestimmt ist, das Recht der Mithut(jus compascendi) 49 . Reicht der Ertrag der Weide nicht aus, so
44 Gierke a. a. 0. S. 213 ff.; Eichhorn § 1801i; Mittermaier § 168Anm. 31; Beseler§99 Anm. 6—7, § 198 Anm. 17; Hage m a n n § 132,294 ff.; Bülow u. Ha ge mann III Nr. 28; Danckelmann II 391 ff.,417 ff.; Seuff. VI Nr. 13 u. 167, XVII Nr. 10; Preufs. L.R. § 109 ff mit Anh.§ 60, 170 ff, Kulturell. § 27 ff, Feldpol.O. § 35 ff; Österr. Gb. § 501; Bayr.Weiileges. Art. 2.
46 Roth, D.P.R. Anm. 30; Preufs. L.R. § 85.
46 Pfeiffer, Z. f. D. R. XIII 177; Beseler § 99 Anm. 8; Seuff. 1Nr. 13, 14, 182, 320, IV Nr. 102, VI Nr. 314, IX Nr. 135, XI Nr. 122, XVIINr. 10; Bayr. L.R. Nr. 7. Der Eigentümer darf also Wiesen nicht in Ackeroder Wald, Acker nicht in Weinberge verwandeln, Weideland nicht auf-forsten : usw. Nur landesübliche Kulturverbesserungen darf er vornehmen,z. B. Fruchtbäume setzen, Wiesen bewässern, Waldungen in Schonung legen.
47 Bülow u. Hagemann II Nr. 84, V Nr. 8; Hommel, Rhaps. Iobs. 34; Kind, Quaest. for.' II c. 33 sq.; Strübe, Bed. IV Nr. 153; An-scliütz, Arcli. f. c. Pr. LIII 293 ff.; Heimbach §196; Steinacker S.424ff.;Platner, Ivurhess. Sachenr. S. 250 ff.; Stobbe-Lehmann S. 20; Seuff.XII Nr. 128, XV Nr. 203, XVIII Nr. 119, XXI Nr. 22, XXIX Nr. 112, XLIINr. 19.
48 So Preufs. L.R. § 81, 122, 170 ff, Kultured. § 13, 27 ff, Gem.Th.O.§ 181 ff.; vgl. Förster-Eccius § 187 Anm. 115, Dernburg § 180 Z. 3. —Das Bayr. Weideges. Art. 5 u. das Württ. v. 1873 Art. 31 gestatten sogar jedeKulturveränderung.
49 Glück, Komm. X 180 ff, Mittermaier § 183 Anm. 12, (Beseler§ 99 II, Stobbe-Lehmann S. 20; Bayr. L.R. Nr. 6; Preufs. L.R. § 89;Österr. Gb. § 502; Seuff. I Nr. 11, VII Nr. 10, XXII Nr. 20.