Druckschrift 
2 (1905) Sachenrecht
Entstehung
Seite
662
Einzelbild herunterladen
 

662

Viertes Kapitel. Die begrenzten dinglichen Rechte.

Breite und die zulässige Benutzungsweise bestimmt wurden 15 . Diedeutsclirechtliclien Regeln wurden auch im gemeinen Recht nichtdurch die römischrechtlichen Sätze über via, actus und iter ver-drängt 16 . Noch enger an das deutsche Recht schlossen sich diePartikularrechte an 7 . Das Landesrecht bleibt für Inhalt undMafs auch neubestellter YVegedienstbarkeiten mafsgebend. Regel-mäfsig enthält danach das Recht des Fahrweges oder der Durch-fahrt zugleich das Recht, zu reiten, zu gehen und Vieh gekoppeltzu führen, nicht aber, wie bei den Römern, das Recht der Vieh-trift überhaupt, noch auch das Recht, Lasten zu schleifen 18 . Indem Recht der Viehtrift ist die Befugnis, Vieh auch ungekoppeltzu treiben, nicht aber, wie bei den Römern, das Recht, zu fahrenund beliebig zu gehen, beschlossen 19 . Das Recht des Fufssteigesgewährt die Befugnis, zu gehen, sich von Menschen tragen zulassen und Lasten zu tragen, nicht aber, wie bei den Römern, das

15 Man unterschied Fahrwege (Wagenstrafsen, im Zweifel 16 Fufs breit,dafs ein Wagen dem anderen entweichen möge, Schwabensp. c. 154), Kireh-wege, auch Braut- oder Bahrwege genannt (so breit, dafs zwei darauf eineBraut geleiten, vier eine Leiche tragen können, Grimm, W. II 724), Heu-wege (Itietberger L.R. § 41), Dungwege, Mühlwege (Platz für einen Esel undeinen Mann mit der Rute, Grimm, W. III 847), Reitwege und Fufswege(Gäfschen b. Grimm, W. II 6§6). Ferner neben den ständigen WegenZeigwege (nur auf Brache und Stoppel), Winterwege (nur bei Schnee undFrost, vgl. Zürch. Gb. § 265, Glarus § 88), Tränkwege (Glarus § 87). EndlichTretrechte (Grimm, W. I 199) und Triftrechte (Viehtrift,mit fliegenderGeifsel' 1 undpfleglich zu üben, Seuff. II Kr. 140!.

16 Vgl. Seuff. IV Nr. 13, V Nr. 5, X Nr. 136, XII Nr. 127, XVII Nr. 213,XVIII Nr. 121, XXIII Nr. 113, XXXI Nr. 206; anders I Nr. 180.

17 Bayr. L.R. II, 8 c. 11; Preufs. L.R. I, 22 § 63 ff.; Österr. Gb. §492 ff.;Sachs. Gb. § 548 ff.'J Zürch. Gb. § 262 ff. (712 ff.), Glar. § 85 ff., andereSchweiz. G. b. Huber III 370 ff. Württ. Ges. v. 26. März 1862. Neu-regelung in den sächs.-tliür. A.G. z. B.G.B.; Weim. § 140145, Kob.-Goth.Art. 28 § 712, Altenb. § 82 Z. 813, Mein. Art. 17 § 8-13, Rudolst. Art. 9397,Reufs ä. L. § 100 Z. 813, Reufs j. L. § 8185.

18 Preufs. L.R. a. a. O. § 6667, Österr. Gb. § 493, Sachs. Gb. § 549,thüring. A.G. (Weim. § 142 usw.). Breite nach Preufs. L.R. § 79 im Zweifel8 Fufs, in der Biegung 16 Fufs, nach Sachs. Gb. § 553 8 Fufs, nach den thür.G. (Weim. § 145) 2 V 2 m. Das Recht der Durchfahrt durch einen Torwegdarf nicht durch dessen Verengung oder Erniedrigung beeinträchtigt werden;Preufs. L.R. § 76, Kob.-Goth. A.G. § 9, Mein. § 10.

19 Preufs. L.R. § 68; thür. A.G. (Weim. § 142 Abs. 1). Der Berechtigtemufs Beschädigung des Grundstücks durch das Vieh verhüten und angemesseneVorrichtungen zur Schadensverhütung dulden; Preufs. L.R. § 6975; thür.A.G. (Weim. § 142 Abs. 2). Breite nach Bayr. L.R. a. a. O. Nr. 3 im Zweifel8 Fufs, nach Preufs. L.R. § 79 das Doppelte eines Weges.