(344 Viertes Kapitel. Die begrenzten dinglichen Rechte.
stillschweigende Bestellung einer Grunddienstbarkeit geschlossenwurde 17 .
Fast allgemein war ferner bisher die Ersitzung einer Grund-dienstbarkeit zulässig 18 . Im älteren deutschen Rechte gab esfreilich eine eigentliche Servitutenersitzung nicht. Doch wurdedurch unwidersprochene Ausübung binnen Jahr und Tag eine rechteGewere begründet 19 . Im übrigen half die Unvordenklichkeit aus.Nach der Rezeption wurde neben der Unvordenklichkeit 20 dierömischrechtliche Servitutenersitzung in das gemeine Recht auf-genommen und mit mancherlei Abwandlungen in den Partikular-rechten festgehalten 21 . Die Ersitzung fordert einen während derErsitzungszeit in gutem Glauben ausgeübten 22 , fehlerfreien 28 und
17 Seuff. XI Nr. 121, XIII Nr. 212, XXI Nr. 105, XXX Nr. 119, XXXVNr. 119, 278, XXXVIII Nr. 216, XL Nr. 184, XLII Nr. 39, LIII Nr. 10; R.Ger.XIII Nr. 59; Sachs. Gb. § 575; E. IIu her, Die EigentümerdienstbarkeitS. 59 ff. Wo schon bisher Eintragungszwang galt, wurde die stillschweigendeBestellung ebenfalls als Erwerbstitel anerkannt; Seuff. XXV Nr. 201.
18 So auch in den Gebieten mit Eintragungszwang, z. B. nach Braunschw.G. v. 1878 § 15. Als Eintragungstitel in Mecklenb. nach Rost. Erk. b. BuddeVI 86, VII 87. Ebenso nach Österr. Gb. § 480. — Dagegen schliefsen BernerGb. Art. 453, Luzern. § 778 u. andere Schweiz. Ges. mit Eintragungszwang dieErsitzung aus; Huber III 358.
19 L ab an d, Vermögensr. Kl. S. 328, Pauli, Lüb. Zust. III 50 ff., v. II u h na. a. O. S. 23 ff., Stobbe-Lehmann § 132 Anm. 38, Dortmunder Stat. b.Frensdorff S. 251 ff., Bremer Stat. v. 1303 c. 62 u. Nr. 32.
20 Oben Bd. I 317 Anm. 43. — Nur Unvordenklichkeit kennen die älterenSchweiz. Rechte, in denen die Ersitzung nicht rezipiert wurde, sowie GlarnerGh. § 82, Zuger § 223; Huber III 354.
21 Elvers § 68; Windscheid § 213; Dernburg I § 252. — Mitter-maier I § 163; Roth III § 268 V; Stobbe-Lehmann § 132 Z. 6. — Bayr.L.R.I1, 7 § 5, II, 9 § 2. Preufs. L.R. I, 22 § 13 ff. Code civ. Art. 690 u. 691.Sachs. Gb. § 577 ff. Lang, Wttrtt. Sachenr. § 74. Bündner Gb. § 255—256 u.andere Schweiz. Gb. b. Huber III 355 ff.
22 Guter Glaube ist auch nach gern. R. jedenfalls auf Grund deskanonischen Rechts (c. 20 X de praescr. 2, 26) erforderlich; Seuff. VIIINr. 348, XVI Nr. 9, XXXV Nr. 192, XLVIII Nr. 7, XLIX Nr. 237. Vgl. Sachs.Gb. § 583.
23 Der Besitz darf nicht heimlich geübt sein, ist aber nicht schon heim-lich, wenn er nicht zur Kenntnis des Eigentümers gekommen ist, sondern nur,wenn er ihm verheimlicht werden sollte; R.Ger. XVI Nr. 49, XXV Nr. 31,Seuff. IX Nr. 130, XXI Nr. 106, XXXV Nr. 190; Sachs. Gb. § 585; andersBayr. L.R. II, 7 § 5 Nr. 1. Ferner nicht gewaltsam; S euff. VI Nr. 154, XXIVNr. 107, XXXI Nr. 315; Sachs. Gb. § 584. Endlich nicht auf blofser Ver-günstigung beruhend; Seuff. XXV Nr. 221, XLIX Nr. 10; Bayr. L.R. a. a. O.Nr. 4, Preufs. L.R. I, 22 § 14-15, Sachs. Gb. § 583.