§ 113. Die Gewere.
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Vor allem aber steigert sich im Liegenschaftsrecht die gehörigbegründete Gewere zur rechten Gewere (im engsten Sinnedes Worts), wenn sie Jahr und Tag ohne gerichtliche Anfechtungbestanden hat 41 . Da die rechte Gewere sich aus dem mit dergerichtlichen Auflassung verbundenen richterlichen Aufgebot ent-wickelt hat, setzt sie ursprünglich eine durch gerichtliche Auf-lassung erworbene Gewere voraus 42 . Doch wurde sie später inmanchen Gegenden von dieser Grundlage gelöst und in jedemFalle angenommen, in dem eine für Jedermann ersichtliche Gewerean einem Grundstücke Jahr und Tag unangefochten bestandenhat 48 . Auch wurde die erforderliche Frist oft verändert 44 . DasWesen der rechten Gewere besteht in einer sehr erhöhten Wider-standskraft gegen Bruch. Sie trägt ihren Rechtfertigungsgrundin sich selbst, so dafs, wer sie für sich hat, einem prozessualenAngriffe gegenüber den Rechtsgrund seines Besitzes nicht dar-zulegen braucht, vielmehr die Rechtmälsigkeit seines Besitzes durchseine (nach sächsischem Recht eidlich zu verstärkende) Behauptungerhärtet 45 . Zugleich aber gewährt sie eine gesteigerte Sicherheit
Rechtsq. I 293; Scliwabensp. (L.) c. 209; Kl. Kaisern. II c. 109 (mit verkürzterFrist von 6 Woeben und 3 Tagen). Vgl. Hejisler, Inst. II 37 ff. (wo abermit Unrecht Sacbsensp. II Art. 44 § 1 hierauf bezogen wird).
41 Sacbsensp. II Art. 44 § 1: Svelk gut en man in geweren hevet jar undedach ane rechte wedersprake, die hevet dar an ene rechte gewere. — Vgl.Albrecht S. 99 ff.; Stobbe, Gewere S. 467 ff., D.P.R. II § 74; Stein a. a.0. S. 98 ff.; v. Bar S. 206 ff.; Laband, Vermögensr. KI. S 292 ff.; R. Löning,Der Vertragsbruch I 442 ff.; I-Ieusler, Gewere S. 237 ff, Inst. II 103 ff;Planck I 627 ff, 633 ff., 641 ff; Sobm, Z. f. R.G. XIV 53 ff.; Brunner ib.XVII 235 ff. (Forsch. S. 736 ff); v.Dnbn a. a. 0. S. 1 ff.; Immerwahr a. a. 0.S. 26 ff.; Schröder, R.G. S. 719 ff.; behmann b. Stobbe II § 87; HuberS. 15 u. 51.
42 Dies ist durch die Forschungen von Sobm, Brunner, v. Duhn,Planck, Heusler, Immerwabrjnsw. außer Zweifel gestellt, während früherdie gegenteilige Ansicht durch Lab and zur Herrschaft gelangt war.— Leib-liche Gewere ist nicht erforderlich; Immerwahr S. 25, Lehmann b. StobbeII 218 Anm. 12. A. M. Heu sie r, Gewere S. 242 ff, Inst. II 106 Anm. 13.
43 So namentlich in süddeutschen Rechten; Stobbe-Lehmann II § 87Anm. 4 u. 11, Ileusler, Inst. II 111 ff.
44 Es begegnet eine Verlängerung, aber auch eine Verkürzung (in süd-deutschen Städten auf 6 Wochen und 3 Tage) vgl. Stobbe-Lehmann a. a.O., Ileusler a. a. 0., Hubejr, Schweiz. P.R. IV 712|ff., Beyerle, Das Sal-mannenrecht, Heidelb. 1900, S. 142 ff
46 Sachsensp. I Art. 9 § 5; vgl.'Laband S. 336 ff. — Das salfränkischeRecht forderte keinen Eid; Brunner, Z. f. R.G. XVII S. 238 ff., Forsch.S. 740 ff.