§ 107. Das Geld.
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Wertmafses, indem die Schätzung aller vom Verkehr ergriffenenGüter durch Vergleichung mit dem Tauschmittel erfolgte. DasGeld wurde so zum Ausdrucke des Vermögenswertes, die Schütz-barkeit in Geld zum Kennzeichen der Vermögensgegenstände, derdie körperlichen und unkörperlichen Sachen ihrem Werte nachzusammenfassende Geldbetrag zum Kenner der Vermögenseinheit 2 .In Verbindung hiermit erhob sich das Geld zum allgemeinenZahlungsmittel. Die Hingabe (Zuzählung) von Geld bildetesich als Zahlung zu einem besonderen Geschäfte aus, das lediglichauf die Übertragung von Vermögenswert gerichtet ist, und wurdezur Erfüllungsart der reinen Wertrechte, die in Gestalt der aufGeldbeträge lautenden Forderungs- und Sachenrechte entstanden.Endlich entfaltete sich das Geld zu einem allgemeinen Er-satzmittel. Gemäfs seiner Fähigkeit, alle Güter hinsichtlichihres Vermögenswertes zu vertreten, wurde es berufen, da als Er-satz zu dienen, wo ein anderes Gut zerstört, vorenthalten oderentzogen, hierfür aber eine Ausgleichung gewährt wird.
Im Laufe der Kulturentwicklung haben verschiedene Sach-arten die Rolle des Geldes gespielt 8 . Allmählich haben bei allenKulturvölkern Metalle das ältere Geld verdrängt und unter ihnenwieder die beiden Edelmetalle Gold und Silber den Vorrang be-hauptet 4 * . Wurde ursprünglich das Geldmetall in Barren zugewogen,so wurde dies frühzeitig durch die Herstellung gleichförmigerMetallstücke mit ein für alle Mal festgestelltem Geldgehalt erspartund endlich überall die Ausprägung solcher Metallstücke zu öffent-lich beglaubigten Münzen eingeführt 6 * . Hand in Hand mit der
2 Vgl. oben Bd. I 277. Die höchste Steigerung erfährt diese Erscheinung
bei der Aktiengesellschaft, bei der ein Geldbetrag als Nennbetrag des Grund-
kapitals die Vermögenseinheit unabhängig vom wirklichen Vermögensbestande
ausdrückt.
8 In der germanischen Urzeit Vieh; vgl. Tac. Germ. c. 12, 21; v. Inama-Sternegg, Deut. Wirtschaftsgesch. I 181 ff., Brunner, R.Ger. I 164,v. Amira, Nordgerm. Obl.B. I 443 ff. Im Norden auch Tuch (vadmal) undandere Gewebe; v. Amira I 444, II 510 ff. — Bei manchen Völkern Muscheln,Reis, Salz usw. — Vgl. Knies a. a. 0. S. 9 ff.
1 Untereinander kämpfen bekanntlich Gold und Silber noch heute um dieGeldkraft. Je nachdem eins von ihnen allein Geld ist oder beide nach einemfesten Verhältnis Geldkraft haben, besteht Goldwährung, Silberwährung oderDoppelwährung.
B Goldschmidt a. a. 0. S. 1072 ff. — Über die Aufnahme des römischenMünzwesens und dessen Fortentwicklung bei den Deutschen vgl. Soetbeer )Forsch, z. D. G. I 207 ff., 545 ff, II 265 ff, IV. 243 ff, VI 3 ff., v. Inama-