§ 102. Öffentliche, verkehrsunfähige, herrenlose Sachen. 38
setzten Schranken dem Privatrechtsverkehr 57 und sind der Be-lastung mit besonderen Privatrechten zugänglich B8 . Als eigenartige,mitgliedschaftliche Sonderrechte, die mit der Kirchenangehörigkeitverknüpft und kirchenverfassungsmäfsig gebunden sind, jedoch einPrivatrecht auf einen bevorzugten Gebrauch einschliefsen, begegnenin Deutschland bei Kirchengebäuden Rechte auf einen bestimmtenKirchensitz (Kirchstuhlsrechte ) 69 und bei Kirchhöfen Rechte auf
61 R.Ger. YII Nr. 43; Preufs. L.R. II, 11 § 180—181. Die Veräußerungist nicht nur im Falle der Aufhebung der kirchlichen Zweckbestimmung, son-dern auch unter Vorbehalt des kirchlichen Gebrauchs möglich. Somit kannan ihnen auch Eigentum ersessen werden, was das R.Ger. XXVII Nr. 63 mitUnrecht für Kirchhöfe verneint; vgl. Ilinschius IV 169. Dagegen sind sieder Pfändung entzogen; Hinschius IV 173 Anm. 1 u. S. 175 Anm. 1.
58 Auch Servituten können an ihnen bestellt oder ersessen werden;Hinschius IV 169 Anm. 3, 173 Anm. 1, 175 Anm. 1. Jedoch nur, wenn siemit der kirchlichen Gebrauchsbestimmung vereinbar sind, was für Wegerechteüber Kirchhöfe vom O.A.G. Jena h. Seuff. VI Nr. 181 bejaht, dagegen vomO.Trib. Berlin Entscli. LXVI 200 und vom R.Ger. b. Gru ch o t XXXIII 107 ver-neint ist. Uber Rechte auf Nutzung von Gras und Bäumen an Kirchhöfenvgl. Meiner II 39 ff.
69 Vgl. Glück, Komm. II 438 ft'., Hinschius IV 341 ff., Stobbe I 598,Beklcer I § 77 Beil. II, Re gelsh er ger I § 109 fl 5 a; Preufs. L.R. II, 11§ 676 ff.; französ. R. h. Hinschius a. a. O. S. 350 ff. Anm. 1. Die Kirchen-stuhlsrechte sind Mitgliedschaftsrechte und richten sich als solche gegen dieKirchengemeinschaft seihst (R.Ger. XXIV Nr. 34). Sie sind daher nicht, wiemeist gelehrt wird, reine Privatrechte und gewähren nicht hlofs kein Eigen-tum an der Stelle (das in den §§ 681—683 des Preufs. L.R. II, 11 anerkannte„Eigentum“ ist nur Eigentum an der Gerechtigkeit, vgl. Meurer II 32), son-dern auch kein selbständiges dingliches Recht (also keine eigentliche „Servi-tut“, wie Randa I 52 Anm. 36 meint). Allein sie sind mitgliedschaftlicheSonderrechte (Gierke, Genossenschaftsth. S. 197) und als solche in ihremsonderrechtlichen Bestandteile Privatrechte (oben Bd. I 536; a. M. HinschiusIV 344 u. 347, O. Mayer S. 152). Darum werden sie innerhalb der vomKirchenrecht gezogenen Schranken durch Rechtsgeschäft oder Ersitzung er-worben (Seuff. XI Nr. 272, XXXVI Nr. 103, XXXVII Nr. 34, Hinschiusa. a. O. S. 345 ff.), können nach Mafsgabe ihres individualrechtlichen Titels alsRealrechte mit einem Grundstücke verbunden sein (Seuff. XXXVII Nr. 132,
R. Ger. XXIV Nr. 34) oder einem Amte anhängen oder beschränkt oder un-beschränkt vererblich und veräufserlich sein (II inschius a. a. O. S. 345,Preufs. L.R. II, 11 § 681—685, Huber IV 691 Anm. 36) und enthalten in ob-jektiver Hinsicht entweder ein dingliches Gebrauchsrecht am Kirchengebäudeoder doch ein Forderungsrecht auf Gebrauchseinräumung (R.Ger. XVI Nr. 36
S. 160, Hinschius a. a. O. S. 346, oben Bd. I S. 539 u. 541). Immer istihre Ausübung durch Kirchenangehörigkeit bedingt und kirclienverfassungs-mäfsiger Regelung unterworfen (Seuff. XXXVII Nr. 132, R.Ger. XVI Nr. 36,XXIV Nr. 34, Hinschius a. a. 0. S. 347ff.). Im übrigen aber geniefsen siePrivatrechtsschutz (Seuff. VI Nr. 240, XI Nr. 272, R.Ger. VII Nr. 43). Bei
Binding, Handbuch. II. 3. II: Gierke, Deutsches Privsitrecht. II. 3