32 Erstes Kapitel. Die Gegenstände des Sachenrechts.
aus der Gemeindemitgliedschaft und ist rein öffentlichrechtlicherNatur 62 .
Öffeuliche Sachen in kirchlichem Gemeingebrauch sind diefür den Gebrauch der Mitglieder einer Kirchengemeinschaft be-stimmten Kirchengebäude und Kirchhöfe 58 . Auch sie sind heutegleich allen für religiöse Zwecke bestimmten Sachen weder herren-los noch verkehrsunfähig 64 . Vielmehr befinden sie sich regelmäfsigim Eigentum einer kirchlichen Verbandsperson 66 , oft aber auch imEigentum des Staates, der Ortsgemeinde oder einer Privatperson 66 ,unterliegen vorbehaltlich der durch ihre Zweckgebundenheit ge-
hören, während freilich die echten bürgerlichen Nutzungen blofsen Gemein-gebrauchsrechten gleichstehen, ist oben Bd. I 607 ff. gezeigt worden.
62 Ähnlich verhält es sich bei den für den Gemeingebrauch der Mitgliedereiner anderen öffentlichen Körperschaft, z. B. einer Deich- oder Sielacht, einerWassergenossenschaft, einer Waldgenossenschaft, bestimmten öffentlichen Sachen.
53 Sie bilden eine Unterart der nach Kirchenrecht „geheiligten“ Sachen,zu denen auch Sachen in engerem Kirchengebrauclie gehören. Für dasPrivatrecht ist ihre (nach ltathol. und protest. Kirchenr. ungleich begründeteund behandelte) Heiligkeit heute als solche bedeutungslos. Das Privatrechtmufs aber, weil und soweit die Kirchen öffentlichrechtliche Verbände sind, diekirchliche Gebrauchsbestimmung der heiligen Sachen als öffentliche Zweck-gebundenheit achten und kann daher diese Sachen nur insoweit ergreifen, alsihre kirchliche Gebrauchsbestimmung hierfür Raum läfst. Vgl. Preufs. A. L.R.II, 11 § 173—174, 179-181, 192.
54 Der römische Begriff der res divini juris (vgl. Pernice, Labeo I255 ff., Mommsen, Röm. Staatsr. II57ff., Gierke, Gen.R. III 63ff., Meurer,Der Begriff u. Eigentliümer der heiligen Sachen, Düsseldorf 1885, I 155 ff. u.257 ff.), im Justinian. Recht schon abgeschwächt und im kanonischen Rechtüberwunden, ist heute vollkommen unpraktisch. Vgl. über das geltende RechtWappaeus a. a. 0. S. 49 ff., Meurer a. a. 0. I 207 ff., II 3 ff., Ilinschius,Kirchenr. IV 162 ff. u. 306 ff., Friedberg, Kirchenr. § 176—177, Roth, D.P.R.
I § 79 II 1, Stobbe I § 64 I 2, Wächter, Pand. I 276, Bekker I § 77Beil. II, Regelsberger 1 § 109, Dernburg, Preufs. P.ll. I § 67 Anm. 7—8,Ran da a. a. 0. I 51 ff., Rehbein I 75, Endemann, B.ll. II § 4 Z. 4.
66 Eine Vermutung für kirchliches Eigentum stellt das Preufs. A. L.R. II,
II § 170, 179, 183 u. 191 auf; vgl. R.Ger. XXVII Nr. 63. Gegen eine derartigeVermutung erklärt sich Meurer I 254 ff., II 25 ff.
66 Meurer II 3 ff., 18 ff., 43 ff.; Th. A. Müller, Privateigenthum ankatholischen Kirchengebäuden, Heidelberg 1883; Ilinschius IV 171 ff.; R.Ger.b. Seuff. XXXVII Nr. 131, C.S. XLII Nr. 13. So findet sich häufig Staats-eigentum an Garnison- und Gefängniskirchen, Privateigentum an Sehlofs- undHauskapellen, im Gebiet des französ. R. Eigentum der bürgerlichen Gemeindean den Kirchengebäuden (für Preufsen durch Ges. v. 14. März 1880 § 2 auf dieKirchengemeinden zurückübertragen). Ferner Eigentum der Ortsgemeinde anFriedhöfen; Preufs. L.R. II, 11 § 190; über das französ. R. Meurer II 408ff.,Preufs. Ges. v. 14. März 1880 § 3, R.Ger. XIV Nr. 30.