Druckschrift 
1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
Entstehung
Seite
732
Einzelbild herunterladen
 

732

Viertes Kapitel. Persönlickkeitsreckte.

hat sie einerseits mehr und mehr den Schutz der Marken von eineröffentlichen Konstatirung ihres Erwerbes abhängig gemacht, andrerseitsdas Markenrecht auf verwandte Waarenbezeichnungen ausgedehnt.

In Deutschland trat an Stelle der älteren Landesgesetze, dieeinen zum Tlieil freilich sehr unvollkommenen Markenschutz einge-führt hatten 39 , das Reichsgesetz über den Markenschutz vom 30. No-vember 1874. Jetzt gilt das neue Reichsgesetz zum Schutze derWaarenbezeichnungen v. 12. Mai 1894 (nebst Ausführungsverordnungv. 30. Juni 1894), das das Markenrecht, das im Gesetze von 1874als rein handelsrechtliches Institut ausgestaltet war, zu einem Institutdes gemeinen Privatrechts erhoben und im Einzelnen stark um-gebildet hat.

1. Begründung. Die deutsche Gesetzgebung gewährt dieMöglichkeit, durch öffentliche Kundmachung der Annahme einesWarenzeichens ein ausschliefsliches und gegen Jedermann geschütztesRecht an diesem zu begründen. Während nach dem Gesetze von1874 für diese Kundmachung die bei den Gerichten geführten Handels-register bestimmt waren, ist durch das Gesetz von 1894 dafür einebeim Patentamte in einheitlicher Weise für ganz Deutschland geführteZeichenrolle geschaffen 40 . Hierbei ist zugleich das bisherige reineAnmeldeverfahren durch ein Prüfungsverfahren ersetzt 41 und in ge-

liervomikeken: Oesterr. v. 7. Dez. 1858 (b. Sckroeder, C.J.C. I 296 ff.) u. anStelle desselben das Ges. v. 6. Jan. 1890 (Z. f. H.R. XXXVIII 515 ff.); Schweiz,v. 19. Dez. 1879 (ib. XXVII 255 ff), neues v. 26. Sept. 1890; Franzos, v. 23. Juni1857, 26. Nov. 1873 u. 3. Mai 1890 (ib. I 285 ff., XXI 152 ff, XXXIX 597 ff.);Engl. v. 25. Aug. 1883 u. 23. Aug. 1887 (ib. XXX 584 ff. u. XXXV 160 ff.);Amerikan. v. 3. März 1881 (ib. XXVII 274 ff); Ital. v. 30. Aug. 1868 (ib. XIV376 ff); Belg. v. 1. Apr. 1879 (ib. XXVI 115 ff); Niederländ. v. 25. Mai 1880(ib. XXVII 262 ff), neues v. 30. Sept. 1893; Norweg. v. 26. Mai 1884 (ib. XXXV207 ff); Scliwed. v. 5. Juli 1884 (ib. 214 ff); Dän. v. 11. Apr. 1890 (ib. XXXIX557 ff, früheres v. 2. Juli 1880 ib. XXVII 269 ff); Serk. v. 30. Mai 1884 (ib.XXXIV 512 ff).

39 Vgl. Krug a. a. 0. S. 50 ff., Klostermann, Patentgesetzgebung S. 393 ff.,Kollier S. 54 ff., Selig so kn S. 8 ff. Einflufsreick wurden die Preufs. Gesetzezum Schutz der Eisen- und Stahlmarken Westfalens u. der Rheinprovinz (V. v.18. Aug. 1847 u. Ges. v. 24. Apr. 1854) u. die Bayr. V. v. 6. März 1840 u. 21. Dez. 1862.

40 Die Zeichenrolle ist öffentlich; ihre Einsicht steht Jedermann frei, alleEintragungen und Löschungen werden öffentlich bekannt gemacht; auch soll dasPatentamt in regelmäfsiger Wiederholung Uebersickten über die inzwischen ein-getragenen und gelöschten Zeichen veröffentlichen; R.Ges. § 3.

41 In den Gesetzgebungen begegnen hier ähnliche Unterschiede wie beim Er-finderrecht; vgl. unten § 95 I. In Frankreich, Belgien und Italien gilt das An-meldeverfahren, in Nordamerika und Schweden das Prüfungsverfahren; in derSchweiz u. Oesterreich das Anmeldeverfahren in Verbindung mit dem Rückziehungs-