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Viertes Kapitel. Persönlichkeitsrechte.
darf nicht wider die gute Sitte, die staatliche Ordnung oder dasreligiöse Gefühl verstofsen 14 . Partikularrechte ziehen der Wahl derVornamen noch engere Grenzen 15 . Auch die Vornamen können nichteigenmächtig, sondern nur mit staatlicher Bewilligung geändert werden 16 .
Der Familienname bildet sowohl für sich wie in seiner Vervoll-ständigung durch Vornamen als bürgerlicher Name den Gegenstandeines Privat rechtes 17 , das sich als ein besonderes Persönlichkeits-recht von dem allgemeinen Rechte der Persönlichkeit abhebt 18 . DiesesRecht ist jedoch unverzichtbar 10 , unübertragbar 20 undunvererblich 21 .
14 v. Sicherer S. 98, Levi S. 12, Hinschius S. 82 Anm. 48.
15 In Sachsen-Weimar dürfen nicht dieselben Vornamen gewählt werden, dieder Vater oder ein anderer Ortseinwohner gleichen Familiennamens trägt; inHessen nur übliche Vornamen; nach dem oben Anm. 10 angef. französ. Ges. nurkalendermäfsige oder aus der alten Geschichte bekannte Vornamen; v. SichererS. 97 ff., Levi S. 13 ff., Hinschius S. 82 Anm. 48. Für Preufsen ist das französ.Ges. durch Ges. v. 23. Mai 1894 aufgehoben.
16 Hermann S. 159, v. Sicherer S. 101 Anm. 66 u. S. 102 ff, LeviS. 13 ff, Hinschius S. 82; a. M. G. Meyer I § 31. Vgl. Bad. V. v. 16. Dez.1875 § 5, Brem. Instr. v. 10. Dez. 1875 § 35. — lieber die Eintragung der Aende-rung von Familiennamen oder Vornamen in das Standesregister vgl. v. SichererS. 123, Hinschius S. 98 Anm. 67.
11 Vgl. für das gern. R. R.Ger. V 172 u. XXIX 125: „ein im Rechtswege ver-folgbares Privatrecht“; ferner II 147, Bolze VIII Nr. 32 u. 33; auch Seuff. VINr. 6, XLIV Nr. 30, XLVIII Nr. 263. Die neueren Gesetzbücher erkennen dasRecht am Familiennamen schon durch die Stellung, die sie den Vorschriften überErwerb und Aenderung des Namens anweisen, als Privatrecht an; vgl. über daspreufs. R, O.Trib. XLVI 193 ff., R. Ger. im J. M. Bl. v. 1884 S. 37. Von denSchriftstellern vgl. hes. Hermann S. 315ffi, Beseler § 56, Thon S. 153, Gareisa. a. 0., Köhler a. a. 0., Levi S. 47 ff., Schneider a. a. 0. S. 10 ff., Laband
a. a. 0. S. 25 ff. — Bestritten wird das Privatrecht am Namen von Einert
a. a. 0. S. 109 ff., Käserei- S. 14, Rösler a. a. 0., Jhering a. a. 0., Gerber
a. a. 0., Stobhe II 52.
18 Als „Individualrecht“ bezeichnen es Gareis a. a. 0., Köhler a. a. 0.,Levi S. 59, Obst. L.G. f. Bayern b. Seuff. XLVIII Nr. 48. Die französ. Juris-prudenz neigt auch hier zur Annahme eines Eigenthums; Köhler, Arch. f. b. R.V 99 ff. Ebenso spricht das O.L.G. Marienwerder b. Seuff. XLVIII Nr. 3 voneinem „privatrechtlichen Eigenthum“.
19 Auch durch Verzicht auf den Adel (oben § 48 IV 2) erlischt nicht dasRecht auf den bisherigen Namen, falls nicht damit eine Namensänderung (obenAnm. 9—10) verbunden ist.
20 Kollier, Markenschutz S. 14ff., Levi S. 60, R.Ger. IX lff, XXIX 132ff.(daher kein Namenserwerb durch einen behufs Namensübertragung simulirtenArrogationsvertrag).
21 Unrichtig Hermann S. 339 ff. Der Familienname wird nicht ererbt,sondern angeboren. Anders natürlich da, wo er sich nicht vervielfältigt, sondernerst durch den Tod des bisherigen Trägers auf einen nach Erstgeburtsrecht be-rufenen Nachfolger übergeht, wie der englische Peersname.