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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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§ 78. Stiftungen.

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§ 78. Stiftungen 1 .

I. Begriff. Stiftung nennen wir eine als Verbandsperson an-erkannte Anstalt, deren Sozialreclit in seinem Kerne dem Privatrechteangehört 2 3 . Dem Wortsinne nach bezeichnet der Name Stiftung zu-nächst den privaten Willensakt, der eine solche Anstalt ins Lebenruft. Im weiteren Sinne wird er auch da gebraucht, wo durch einenprivaten Willensakt (wie z. B. eine Schenkung oder letztwillige Zu-wendung unter einer Auflage) eine Vermögensmasse einer Zweck-gebundenheit unterworfen wird, ohne dafs für sie ein besonderes an-staltliches Reehtssubjekt geschaffen würde 8 .

II. Geschichte 4 . «Stiftungen mit eigner Persönlichkeit, demrömischen Rechte ursprünglich unbekannt 5 , entwickelten sich innerhalbder christlichen Kirche in den durch fromme Spenden errichteten und

1 Mühlenbruch, Reclitl. Beurtlieilung des Städelschen Beerbungsfalles,Halle 1828, und in Glücks Komm. XXXIX (1837) S. 442 ff., XL (1838) S. 1 ff.,sowie die dort angef. sonstigen Schriften über den Städelschen Fall. Roth, Jahrb.f. Dogm. I 189 ff. Demelius ib. IV 139 ff. Schlofsmann ib. XXVII 1 ff.Herrmann, Z. f. Kirchenr. X 330 ff. Regelsberger ib. XI 191 ff. Köhler,Arch. f. bürg. R. III 228 ff. Ki er ul ff, Civilr. S. 122 ff. Pfeifer, Jur. Pers.S. 122 ff. Arndts, Pand. §46, Wächter I §58, Dernliurg I § 62, Bekkerl§ 69, Regelsbergerl § 88 ff. Walter, D.P.R. § 85 ff., Beseler§71, Roth§ 73, Stobbe § 62. Gierke, Genossenschaftsr. II 962ff., Genossenschaftsth.S. 12 ff. Meurer a. a. 0. I 73 ff, II 250 ff, 288 ff, 313 ff, 400 ff. Unger,Oest. P.R. I § 44. Roth, ICurli. P.R. I 292 ff., Bayr. C.R. I § 47. Förster-Eccius IV § 285. M. Seydel, Bayr. Staatsr. IV 617 ff. Sartorius, Art.Stiftungen im Wörterb. des deut. Verwaltungsr. Suppl. II 278 ff.

2 JedeStiftung ist im Rechtssinne eineAnstalt, wennschon der Sprach-gebrauch schwankt und nur für Stiftungen mit einer sichtbaren räumlichen Ein-richtung das WortAnstalt oderInstitut zu verwenden pflegt; vgl. Meurer I46 Anm. 2, Stobbe I 429 ff, Dernburg I § 62, Regelsberger § 75 II u.§ 88 I. Unrichtig wollen Windscheid I § 57 u. Roth, D.P.R. § 59 u. § 71,Anstalten undStiftungen als zwei verschiedene Gattungen von juristischenPersonen unterscheiden. Andrerseits wird der NameStiftung auch für mancheöffentliche Anstalten gebraucht (oben § 77 Anm. 3 u. 30) und ist an sich, insofernauf den Errichtungsakt gesehen wird, für jede Anstalt passend. Es empfiehlt sichaber, das WortStiftung als technischen Ausdruck nur für die Privatanstalt zuverwenden (so auch Entw. II § 70 ff.).

3 Bekker § 69 Beil. III b; Meurer II 224 Anm. 3; Kollier a. a. O.S. 268 ff.; Regelsberger § 87 II. Möglich ist, dafs hier ein Sondervermögenlconstituirt wird; darüber unten Abschn. II Kap. I.

4 Roth, Jahrb. f. Dogm. I 189 ff Gierke, Genossenschaftsr. II 962 ff,III 119 ff, 275, 421, 806 ff. E. Löning, Gesell, des deut. Kirchenr. I 250 ff.,II 648 ff. Meurer II 118 ff, 250 ff. Heusler, Inst. I § 65.

5 Pernice, Labeo I 254, III 150 ff. Gierke a a. 0. III 65.