§ 76. Private Genossenschaften.
631
helfen 28 . Im Gegensatz zu der früheren Praxis, nach der die Unter-stellung unter den Gesellschaftsbegriff in Folge der Anwendung desrömischen Sozietätsrechtes die volle Rechtsverweigerung für und widerdenVerband bedeutete 29 , ist schrittweise die Ansicht durchgedrungen,dafs unter der Einwirkung des deutschen Rechtes das Sozietätsrechthinreichend tiefgreifender Abwandlungen fähig geworden sei, um auch einleidlich passendes Rechtsgewand für eine Körperschaft abzugeben 30 . ImEinzelnen wird durch eine Reihe oft sehr künstlicher Konstruktionensowohl nach Innen wie nach aufsen der Gesellschaftsbegriff umgebogen.Nach innen wird das körperschaftliche Satzungsrecht als bindendes Ver-tragsrecht ausgelegt und geschützt: der vom Wechsel der Mitglieder un-abhängige Vereinsbestand, der Ausschlufs der Theilungsklage, der so-fortige Eintritt neuer Mitglieder in einen Antheil an den gemeinschaft-lichen Rechten und Pflichten, das Erlöschen dieses Antheiles durchWegfall der Mitgliedschaft, die bindende Kraft von Versammlungsbe-schlüssen, die Zuständigkeiten von Vorständen und anderen Organenwerden aus ausdrücklicher oder stillschweigender Vereinbarung her-geleitet 31 . Nach aufsen wird dem Vereine durch die Annahme statu-tarisch oder auf Grund statutarischer Ermächtigung ertheilter undbeschränkter Kollektivmandate eine Art von einheitlicher Rechts- undHandlungsfähigkeit verschafft: der durch seinen Vorstand vertreteneVerein wird ziemlich allgemein als Prozefspartei zugelassen 32 ; die imNamen des Vereines erworbenen Rechte werden als Vereinsrechte an-erkannt, die der jeweiligen Mitgliedergesammtheit zustehen und vonihr nur gemeinschaftlich oder durch ihre jeweiligen Vertreter geltend
28 Darüber vgl. Gierke a. a. 0. S. 57 ff.
28 Vgl. z. B. Seuff. XIII Nr. 57 u. 206, XX Nr. 200, XXXIII Nr. 103.
30 Ygl. bes. Seuff. I Nr. 54, VI Nr. 2 S. 5 ff., XII Nr. 58—60, XX Nr. 201,XXIII Nr. 206, XXVII Nr. 5, XXXVII Nr. 207, XL Nr. 198; Z. f. Rechtspfl. u.Verw. in Sachsen N. F. XIII 261 ff; R.Ger. VII Nr. 53, VIII Nr. 31, XVIIINr. 74. Theoretische Konstruktionen in diesem Sinne bes. h. R. Schmid, Arch.f. civ. Pr. XXXVI 183 ff., Gerber, Ges. Abh. S. 197 ff, u. Crome, Allg. Th.S. 169 ff; dazu die unten Anm. 36 Angeführten.
31 Seuff. XX Nr. 201, XXIII Nr. 206, R.Ger. VII Nr. 53, VIII Nr. 31, bes.aber O.A.G. Cassel b. Heuser, Ann. XIII 443 ff., u. O.A.G Rostock b. Seuff.XXVII Nr. 5 u. dazu Gierke a. a. O. S. 63 ff. Vgl. ferner Stobbe § 61 S. 567 ff,Ehrenberg, Versicherungsr. I 106 ff. Auch Sachs. Gb. § 1367, 1383 u. 1386u. Seuff. XLIII Nr. 19.
32 Seuff. VI Nr. 2, R.Ger. VII Nr. 53, VIII Nr. 45; für eine nicht ein-getragene Genossenschaft des sächs. R. Seuff. XLIII Nr. 19. Vgl. dazu Stobbe§ 61 S. 569, Roth, Genoss. S. 84 ff., Wach, Civilproz. I 520 ff, Bekker, Pand.I § 63 Beil. I, Rosin b. Gruchot XXVII 123 ff, Ehrenberg a. a. O. S. 107. —Abweichend Crome S. 172 ff