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Zweites Kapitel. Das Recht der Verbandspersönlichkeit.
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voller oder eigentlicher Körperschaften ab, beurtheilt aber gleichwohlihre inneren und äufseren Rechtsverhältnisse nach Körperschaftsrecht.Natürlich kann man auf diesem Wege mehr oder minder weit vor-schreiten. Immer aber gelangt man zur Anerkennung einer selbstän-digen Verbandspersönlichkeit, der man nur meist den Namen der„juristischen Person“ und überdies etwa einzelne Rechte der Persön-lichkeit vorenthält 25 . Es ist klar, dai's dieses Verfahren dem wahrenWesen der Dinge annähernd gerecht wird. Soweit daher kein ge-setzliches Hindernifs entgegensteht, mufs es zum Minderten einge-schlagen werden. Nur ergiebt eine nähere Untersuchung des geltendenRechtes, dafs regelmäfsig kein zwingender Grund vorliegt, auf halbemWege stehen zu bleiben 26 . Wo aber die Bahn frei ist, mufs mit allenHalbheiten und Unklarheiten gebrochen und jeder rechtsbeständigeVerein, der Körperschaft ist, als volle und echte Körperschaft aner-kannt werden 27 .
Eine andere Richtung sucht durch die Behandlung der nicht an-erkannten Genossenschaften als modifzirter Gesellschaften zu
und mehr die Annahme einer „Körperschaft ohne Körperschaftsrechte“, einer Ge-nossenschaft „mit korporativem Charakter“ durchgedrungen; vgl. z. B. Seuff. XXVNr. 199, XXIX Nr. 212, XXXIII Nr. 1 u. 104, XXXIV Nr. 6, XLIV Nr. 101,XLVII Nr. 290, XLVIII Nr. 25. Dem Verbände wird daher, obschon er keineeigentliche „juristische Person“ sei, eine „eigne Rechtspersönlichkeit“ zugesprochen;vgl. bes. die nassauische Praxis in Busch Arch. XII 403 ff., Z. f. II.R. VII 585 ff.,Seuff. XXI Nr. 96. Sehr entschieden hat diesen Standpunkt das R.O.II.G. ver-treten; vgl. Entsch. IV Nr. 42 u. 44 (Seuff. XXVI Nr. 219 u. 257) u. XXII 103 ff.Desgleichen trotz zeitweiliger Erschütterung durch die Angriffe Roths die bayr.Praxis, die auch auf Vereine, die das Recht „anerkannter Vereine“ hätten erwerbenkönnen, „die Bestimmungen über juristische Personen“ anwendet; Bl. f. R.A. XXI255, XXVIII 274, Seuff. XXXIII Nr. 103 u. XXXVII Nr. 188, weitere Nachweiseb. Gierke a. a. O. S. 72 ff. u. seitdem Beschl. des Obst. L.G. b. Seuff. XLIVNr. 178.
25 So z. B. die Fähigkeit, als Eigenthiimer oder dinglich Berechtigter insGrundbuch eingetragen zu werden; Stobbe § 61 Anm. 10. Oder die Erbfähig-keit; Seuff. XXXIII Nr. 104 (dagegen zutreffende Polemik ib. S. 147 Anm. 1).Vgl. auch Schuster, Z. f. d. P. u. ö. K. d. G. IV 557 ff.
26 Denn wo das Landesrecht nicht ausdrücklich sagt, dafs aufser den als„Korporationen“ oder „juristische Personen“ besonders anerkannten Verbänden keinanderer Verband Persönlichkeit habe, bleibt auf Grund des gemeinen Rechtes fürdie Anerkennung aller rechtsbeständigen Verbände, die in Wirklichkeit Körper-schaften sind, als echter und nur nicht besonders autorisirter und privilegirterKörperschaften Raum; vgl. den Nachweis b. Gierke a. a. O. S. 88 ff., auchS. 55-56.
27 Gierke a. a. O. S. 92 ff. mit S. 79 ff.