§ 68. Verhältnifs der Körperschaft zu ihren Gliedern.
549
aber bleiben die betheiligten Mitglieder legitimirt, in Streitigkeitenüber ihre Sonderrechte oder Sonderpflichten als Kläger oder Beklagtesich selbst zu vertreten 67 und insoweit zugleich mit Wirkung für undwider die Körperschaft zu handeln 68 .
Die Beendigung eines körperschaftlichen Sonderrechtsver-hältnisses erfolgt, sobald körperschaftsrechtliche und individualrecht-liche Erlöschungsgründe Zusammentreffen 69 . Wenn dagegen ent-weder nur die gliedmäfsige oder nur die individuelle Beziehungwegfällt, so kann zwar das körperschaftliche Sonderrechtsverhältnifsals solches gleichfalls nicht fortbestellen. Allein es erlischt nichtohne Rückstand. Vielmehr ergiefst es sich im ersten Falle in eindie Mitgliedschaft überdauerndes freies Sonderrechtsverhältnifs 70 . Im
XXXVI Nr. 221. Dahin gehören z. B. Streitigkeiten über die Allmende, über eineder Gemeinde auf fremdem Boden zu Gunsten ihrer Mitglieder oder einer Mit-gliederklasse (z. B. auch der ärmeren Ortsbürger) zustehende Weide-, Wald-, Lese-holz-, Streu- oder Wegegerechtigkeit, über Befreiung der Gemeindeglieder voneinem Wegezoll, über das Weiderecht einer Metzgerzunft u. s. w.; Seuff. I Nr. 1u. 313, VI Nr. 309, VII Nr. 2, IX Nr. 255, XI Nr. 124, XII Nr. 239, XVI Nr. 97u. 174, XXIII Nr. 107, XXIV Nr. 12, XXVIII Nr. 102 u. 103, XXIX Nr. 12 u. 14.Ebenso aber Streitigkeiten über eine die Mitglieder oder eine Klasse derselbenbelastende Servitut, Reallast, Banngerechtigkeit, Abgaben- oder Frohnpflicht;Seuff. I Nr. 1, IX Nr. 256, XVI Nr. 175 u. 192, XXII Nr. 249, R.Ger. XVIINr. 45 (Passivlegitimation der Kirchengemeinde hinsichtlich einer sämmtliclie Ein-gepfarrte treffenden Kirchenbaulast). Das für oder wider die Gemeinde ergehendeUrtheil wird dann auch für oder wider die gegenwärtigen und künftigen Mitgliederals Einzelne rechtskräftig. — Ueber die Behandlung der Schadensersatzansprüchein derartigen Fällen vgl. Gierke, Genossenschaftsth. S. 215 Anm. 2.
67 Seuff. II Nr. 252, VI Nr. 136, VIII Nr. 113, X Nr. 125, XVI Nr. 97,XXIII Nr. 107 u. 108, XXVI Nr. 4, XXVIII Nr. 102, XXIX Nr. 12, XXXIIINr. 282. Ebenso, falls sie als parteifähig anerkannt ist, eine Mitgliederklasse alssolche; Schüler I 285 ff., Seuff. I Nr. 314—316, XII Nr. 229, XV Nr. 205,XXIII Nr. 108. Vgl. Gierke a.-a. O. S. 211 Anm. 3 u. 218—219, Stobbe I§ 53 Am. 34 u. 37. — Darum steht auch den hetheiligten Mitgliedern in den ihrSonderrecht berührenden Prozessen der Körperschaft das Recht der Nebeninter-vention zu; Gierke a. a. O. S. 217 Anm. 2, 248 Anm. 3, 291 Anm. 1; a. M.Wach, Civilproz. I 265 Anm. 36.
68 Seuff. II Nr. 258; Gierke a. a. O. S. 218 Anm. 2.
60 A. a. O. S. 230 ff, 251, 277, 290 ff
10 So gehen mit der Auflösung einer Vermögensgenossenschaft die sonder-rechtlichen Antheile der Mitglieder in Miteigenthumsantheile, mit dem Ausscheidenvon Genossen aus einer eingetragenen Genossenschaft die Geschäftsguthaben infreie Forderungsrechte über; so bestehen auch nach Beendigung der Mitgliedschaftbereits begründete Beitragspflichten (z. B. aus der Zeichnung einer Aktie oder auseiner Nachschufspflicht zur Deckung vorhandener Verbindlichkeiten) oder Haft-pflichten als individuelle Verbindlichkeiten fort; a. a. O. S. 271, 291, 302 ff., 851Anm. 2, 877 ff, R.Ger. XXXII Nr. 13.