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Zweites Kapitel. Das Recht der Verbandspersönlichkeit.
Gewerberechte 11 u. s. w. Jede Körperschaft hat ferner einen demWohnsitz der Einzelperson entsprechenden örtlichen Sitz 12 . Auchgiebt es eine besondere Körperschaftsehre, für deren Schutz freilichdas geltende Recht nur unvollkommen sorgt 13 .
Die Gleichstellung der Verbandsperson mit den Einzelpersonenerfährt indefs einzelne Ausnahmen.
Auf der einen Seite finden sich Einschränkungen der körper-schaftlichen Individualrechtsfähigkeit. Der Natur der Sache nachkommen bei Verbandspersonen sännntliche Familienrechte mit Ein-schlufs des gesetzlichen Erbrechtes in Wegfall 14 . Durch positive Ge-setze werden ferner dem Vermögenserwerbe aller oder gewisser Ver-bandspersonen Schranken gezogen. Schon seit dem Mittelalter suchtenin Städten und Ländern die sogenannten „Amortisationsgesetze“ derAnhäufung des Vermögens in der „todten Hand“ entgegenzuwirken 15 .
S. 61; Reuling, Z. f. II.R. XXIII 107; Gierke, Genossenschaftstil. S. 146 Anm. 3;Regelsberger § 81 Anm. 9. Vgl. unten § 86 II 2.
11 Und zwar als Real- oder Personalrechte. Ebenso Aneignungsrechte, z. B.Jagd- und Fischereirechte.
12 Im Zweifel am Mittelpunkte ihrer Verwaltung; doch kommt es zunächstauf eine gesetzliche oder statutarische Bestimmung an; vgl. C.Pr.O. § 19; II.G.B.Art. 209 Z. 1, R.Ges. v. 1. Mai 1889 § 6 Z. 1, v. 20. Apr. 1892 § 3 Z. 1, R.Gew.O.§ 98 a Z. 1 u. § 104 b litt, a, Ilülfskassenges. § 3 Z. 1, Entw. II § 23 Abs. 4 u.§ 51. Dieser „Sitz“ ist ein „Wohnsitz“ mit allen Rechtsfolgen eines solchen;
R. Ger. XXVII Nr. 114, auch Seuff. XLV Nr. 273. Vgl. Savigny II 65 ff., Stobbe§ 30 Anm. 19, Wach, Civilproz. I 403 ff., v. Bar, Intern. P.R. I 162 ff., Regels-berg er § 74 V. — Nach dem Sitz bestimmt sich hier regelmäfsig auch die Staats-und Gemeindea,ngeliörigkeit und daher die Eigenschaft einer Körperschaft als einer„inländischen“ oder „ausländischen“. An diesen Unterschied knüpfen sich zumTheil gleiche Rechtsfolgen wie bei Einzelpersonen; vgl. z. B. R.Ges. v. 25. Okt.1867 § 2 (Flaggenreckt). Doch ist die privatrechtliche Gleichstellung der Fremdenmit den Einheimischen zu Gunsten fremder Verbandspersonen nicht in gleichemMafse wie zu Gunsten fremder Einzelpersonen durchgeführt; vgl. v. Bar a. a. O.
S. 300 ff., Jellinelc a. a. O. S. 249 ff. Im Deutschen Reiche kommt auch deneinem anderen deutschen Staate angekörigen Verbandspersonen das Reichsindigenat(vgl. oben S. 444) nicht zu Gute; Gierke, Genossenscliaftsth. S. 153 Anm. 2.
13 Str.G.B. § 196—197, auch § 187. Näheres über Geschichte u. geltendesRecht b. Gierke, Genossenschaftsr. III 372 Anm. 69 u. 440 Anm. 106, Genossen-schaftsth. S. 147—150. Vgl. auch Ivarlowa a. a. O. S. 426 ff., Regelsberger§ 81 Anm. 3.
14 Vgl. hierüber (auch über die scheinbaren Ausnahmen) Gierke, Genossen-sclmftslh. S. 145.
15 Vgl. Kahl, Die deutschen Amortisationsgesetze, Tüb. 1879, sowie imHandwörterb. der Staatswiss. I 241 ff.; Gierke, Genossenschaftsr. III 815 ff.,Genossenschaftsth. S. 144 Anm. 2 u. S. 667; Chr. Meurer, „Amortisationsgesetze“,in Stengels Wörter!), des deut. Venvaltungsr. I 30 ff. Die heutigen Amortisations-