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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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Zweites Kapitel. Das Recht der Verbandspersönlichkeit.

dorf geprägte Namezusammengesetzte Person gerieth schon beiden späteren Naturrechtslehrern in Vergessenheit * * * 6 . Dagegen hat sichder eine Zeit lang durch das Naturrecht ;zu allgemeiner Herrschaftgebrachte Namemoralische Person trotz seiner fehlerhaften Geburtbis heute behauptet 7 .

II. Wesen. Die Verbandsperson ist eine wirkliche und vollePerson gleich der Einzelperson, jedoch im Gegensätze zu dieser einezusammengesetzte Peison.

1. Sie ist eine wirkliche, nicht blos erdichtete Person. AlsRechtsbegriff beruht sie freilich auf einer Abstraktion, die aus derWirklichkeit einen Theilinhalt heraushebt. Diese Abstraktion aberist von derselben Beschaffenheit, wie die Abstraktion, vermöge derender Begriff der Einzelperson zu Stande kommt 8 * * . Sinnlich wahr-

Jus priv. Rom.-Germ. VIII c. 2 § 1, Wernher, Obs. for. V Nr. 11, VI Nr. 454

u. öfter, Hofacker, Princ. jur. civ. Rom.-Germ. § 4313, Madihn, Princ. jur.

Rom. § 30, G. L. Boehmer, Princ. jur feud. § 94, u. vielen Anderen.

6 Pufendorf nennt das Rechtssubjektpersona moralis und unterscheidetEinzelpersonen und Verbandspersonen alspersonae morales simplices undpersonae morales compositae; Gierke, Althus. S. 192ff. Ihm folgen Tliomasius,Inst. jur. div. I c. 6 § 86 ff., III c. 6 § 62 ff., Titius a. a. 0. u. Obs. 94, Ick-statt, Opusc. II op. 1 c. 1. Dagegen verwenden die meisten Späteren, indem sieden Namenpersona moralis nur für die Verbandsperson beibehalten, den Namenpersona composita als Synonym von p. moralis oder mystica; so Hert, Opusc. I, 1S. 286 u. 288, II, 3 S. 41 u. 55, Gundling, Jus nat. c. 35 § 34, c. 37 § 310,Exerc. 16 § 5, Schmier, Jus publ. univ. I c. 3 Nr. 62 ff., gelegentlich auchNettelbladt, Syst. nat. § 83, u. Scheidemantel III 244 (zusammengesetztePerson). Mehr und mehr verschwindet dann der Ausdruck überhaupt.

7 Nachdem schon Pufendorf seinepersona moralis Simplex gelegentlichin einepersona physica" zurückgebildet hatte (z. B. Jus nat. et gent. I c. 1 § 13,VII c. 2 § 6, c. 5 § 8), behandelten die Späteren den ihm entlehnten Begriffpersona moralis verständnifslos als Gegensatz derpersona physica 11 (vgl. obenAnm. 6). Seitdem wurde der Namepersona moralis die technische Bezeichnungder Verbandspersonen im Naturrecht (vgl. z. B. die Stellen aus J. II. Boehmer,Achenwall, Hoffbauer u. Nettelbladt b. Gierke, Joh. Althus. S. 158 ff.)und bald auch hei den Civilisten (vgl. oben Anm. 45), von denen Manche ihnausschliefslich verwandten (z. B. Leyser spec. 559, Heineccius, El. jur. civ.3, 4, Ludovici, Doctr. pand. 3, 4 § 1, Hellfeld § 406). Dieser Sprachgebrauchwurde auch dadurch nicht mehr erschüttert, dafs einzelne Naturrechtslehrer, wieWolff, Inst. § 96, u. Daries, Praecogn. § 9 u. 24, wieder nachdrücklich daraufhinwiesen, dafs auch beim einzelnen Menschen die rechtliche Persönlichkeit (diepersona moralis odersittliche Person) sich mit der physischen nicht decke.

8 Vgl. oben § 30. Dies hat schon Pufendorf erkannt; vgl. Gierke,

Althus. S. 192 ff. Es ist aber immer wieder vergessen worden. Vergl. darüber

Gierke, Art.Juristische Person in Iloltzendorffs R.L. II, 421, Meurera. a. 0. I 74, Preufs a. a. 0. S. 137, Bernatzik a. a. 0. S. 236 ff., Jellinek,

Syst, der subj. öff. R. S. 27, Regelsberger § 56 u. 75.