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Zweites Kapitel. Das Recht der Verbandspersönlichkeit.
dorf geprägte Name „zusammengesetzte Person“ gerieth schon beiden späteren Naturrechtslehrern in Vergessenheit * * * 6 . Dagegen hat sichder eine Zeit lang durch das Naturrecht ;zu allgemeiner Herrschaftgebrachte Name „moralische Person“ trotz seiner fehlerhaften Geburtbis heute behauptet 7 .
II. Wesen. Die Verbandsperson ist eine wirkliche und vollePerson gleich der Einzelperson, jedoch im Gegensätze zu dieser einezusammengesetzte Pei’son.
1. Sie ist eine wirkliche, nicht blos erdichtete Person. AlsRechtsbegriff beruht sie freilich auf einer Abstraktion, die aus derWirklichkeit einen Theilinhalt heraushebt. Diese Abstraktion aberist von derselben Beschaffenheit, wie die Abstraktion, vermöge derender Begriff der Einzelperson zu Stande kommt 8 * * . Sinnlich wahr-
Jus priv. Rom.-Germ. VIII c. 2 § 1, Wernher, Obs. for. V Nr. 11, VI Nr. 454
u. öfter, Hofacker, Princ. jur. civ. Rom.-Germ. § 4313, Madihn, Princ. jur.
Rom. § 30, G. L. Boehmer, Princ. jur feud. § 94, u. vielen Anderen.
6 Pufendorf nennt das Rechtssubjekt „persona moralis“ und unterscheidetEinzelpersonen und Verbandspersonen als „personae morales simplices“ und„personae morales compositae“; Gierke, Althus. S. 192ff. Ihm folgen Tliomasius,Inst. jur. div. I c. 6 § 86 ff., III c. 6 § 62 ff., Titius a. a. 0. u. Obs. 94, Ick-statt, Opusc. II op. 1 c. 1. Dagegen verwenden die meisten Späteren, indem sieden Namen „persona moralis“ nur für die Verbandsperson beibehalten, den Namen„persona composita“ als Synonym von p. moralis oder mystica; so Hert, Opusc. I, 1S. 286 u. 288, II, 3 S. 41 u. 55, Gundling, Jus nat. c. 35 § 34, c. 37 § 3—10,Exerc. 16 § 5, Schmier, Jus publ. univ. I c. 3 Nr. 62 ff., gelegentlich auchNettelbladt, Syst. nat. § 83, u. Scheidemantel III 244 („zusammengesetztePerson“). Mehr und mehr verschwindet dann der Ausdruck überhaupt.
7 Nachdem schon Pufendorf seine „persona moralis Simplex“ gelegentlichin eine „persona physica" zurückgebildet hatte (z. B. Jus nat. et gent. I c. 1 § 13,VII c. 2 § 6, c. 5 § 8), behandelten die Späteren den ihm entlehnten Begriff„persona moralis“ verständnifslos als Gegensatz der „persona physica 11 (vgl. obenAnm. 6). Seitdem wurde der Name „persona moralis“ die technische Bezeichnungder Verbandspersonen im Naturrecht (vgl. z. B. die Stellen aus J. II. Boehmer,Achenwall, Hoffbauer u. Nettelbladt b. Gierke, Joh. Althus. S. 158 ff.)und bald auch hei den Civilisten (vgl. oben Anm. 4—5), von denen Manche ihnausschliefslich verwandten (z. B. Leyser spec. 559, Heineccius, El. jur. civ.3, 4, Ludovici, Doctr. pand. 3, 4 § 1, Hellfeld § 406). Dieser Sprachgebrauchwurde auch dadurch nicht mehr erschüttert, dafs einzelne Naturrechtslehrer, wieWolff, Inst. § 96, u. Daries, Praecogn. § 9 u. 24, wieder nachdrücklich daraufhinwiesen, dafs auch beim einzelnen Menschen die rechtliche Persönlichkeit (die„persona moralis“ oder „sittliche Person“) sich mit der physischen nicht decke.
8 Vgl. oben § 30. Dies hat schon Pufendorf erkannt; vgl. Gierke,
Althus. S. 192 ff. Es ist aber immer wieder vergessen worden. Vergl. darüber
Gierke, Art. „Juristische Person“ in Iloltzendorffs R.L. II, 421, Meurera. a. 0. I 74, Preufs a. a. 0. S. 137, Bernatzik a. a. 0. S. 236 ff., Jellinek,
Syst, der subj. öff. R. S. 27, Regelsberger § 56 u. 75.