§ 59. Begriff und Wesen der Verbandspersönlicbkeit.
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§ 59. Begriff und Wesen der Verbandspersönliclikeit 1 .
I. Begriff. Verbandspersönlichkeit ist die von der Rechts-ordnung anerkannte Fälligkeit eines menschlichen Verbandes, als einvon der Summe der verbundenen Personen unterschiedenes einheit-liches Ganze Subjekt von Rechten und Pflichten zu sein.
Der heute gebräuchlichste Name für Verbandsperson ist der erstin unserem Jahrhundert üblich gewordene Name „juristischePerson“ 2 , der an sich entweder nichtssagend oder irreführend ist 3 .Die im Mittelalter aufgekommenen Bezeichnungen der Verbandspersonals einer „fingirten“, „vorgestellten“ oder „erdichteten“ Person stehenund fallen mit der Fiktionstheorie 4 * . Bereits seit längerer Zeit istder Ausdruck „mystische Person“ verschwunden 6 . Der von Pufen-
1 Litt, in den Anm. 18—35 zu § 58.
3 Als terminus technicus brauchen diesen Namen zuerst Heise, Grundrifs,Heid. 1807, § 98 ff., Paetz, Lehrb. des Lehnrechts, Gott. 1808, § 40 u. 48, und(unter ausdrücklicher Mifsbilligung der Namen „moralische oder gar mystischePerson“) G. Hugo, Lehrb. des heut. röm. R-, 4. Aufl., Berl. 1811, § 11 u. 15 ff.(vgl. 7. Auf!., Berl. 1826, § 13 u. 21 ff.). Durchgesetzt hat ihn Savigny II 240.Gelegentlich spricht schon Gundling, Diskourse über die Pand., Frankf. u. Leipz.1739, zu Dig. 3, 4 § 1—2 von einer „persona juridica“. Vgl. auch den Ausdruck„persona civilis“ b. Hobbes u. Leihnitz; Gierke, Althus. S. 190 u. 197.
3 Nichtssagend, wenn er nur ausdrücken soll, dafs die Verbandspersönlichkeitein Kechtsbegriff ist; denn in diesem Sinne ist auch die Persönlichkeit des Indi-viduums eine Juristische“. Irreführend, wenn er der „natürlichen“ oder „physi-schen“ Person eine lediglich durch juristische Kunst oder für juristische Zweckegeschaffene Person entgegensetzen will.
4 Ueber die seit Innocenz IV. vollzogene Prägung des Namens „personaficta“ vgl. Gierke, Genossenschaftsr. III 279 ff., 363, 426 Anm. 27, 674, 726. DerName blieb auch in den Zeiten der Vorherrschaft des Naturrechts neben „personamoralis“ in Gebrauch; vgl. z. B. Stryck, Us. mod. 47, 22 § 1, Estor, Kl. SchriftenII 788, Kreittmayr I c. 3 § 1 Nr. 2, c. 7 § 36 Nr. 8, § 42 Nr. 1 u. § 43, IIc. 1 § 5 Nr. 6, § 6 Nr. 1, V c. 30 § 1; Berger, Oecon. jur. IV, 10 § 1 Anm. 1,Günther a. a. O. I § 141 ff. — Ueber den Namen „persona repraesentata“ vgl.Gierke a. a. 0. S. 282, 363, 426, 674, 726; „persona intellectualis“ ib. S. 426,606; „persona imaginaria“ ib S. 726, Carpzov, Jurisp. for. II, 36 d. 6, Kreitt-mayr I c. 3 § 1 Nr. 2, V c. 30 § 1; „erdichtete Person“ b. Leu II c. 20 § 25.Zasius spricht von „umbra personae“; Gierke a. a. 0. S. 674. Hobbes von
„persona artificialis“; Gierke, Althus. S. 190.
6 Der Name geht auf die Auffassung der Korporation als eines „corpusmysticum“ zurück, die ihrerseits wieder aus der Betrachtung der Kirche als„corpus mysticum Christi“ stammt; Gierke, Genossenschaftsr. III 108 ff., 249, 428,546 ff. Im vorigen Jalirh. war er sehr beliebt; so begegnet die „persona mystiea“neben der persona moralis und der persona ficta b. Stryck, Estor, Kreittmayru. Berger an den in Anm. 4 angef. Stellen, neben der persona moralis b. Titius,