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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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§ 59. Begriff und Wesen der Verbandspersönlicbkeit.

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§ 59. Begriff und Wesen der Verbandspersönliclikeit 1 .

I. Begriff. Verbandspersönlichkeit ist die von der Rechts-ordnung anerkannte Fälligkeit eines menschlichen Verbandes, als einvon der Summe der verbundenen Personen unterschiedenes einheit-liches Ganze Subjekt von Rechten und Pflichten zu sein.

Der heute gebräuchlichste Name für Verbandsperson ist der erstin unserem Jahrhundert üblich gewordene NamejuristischePerson 2 , der an sich entweder nichtssagend oder irreführend ist 3 .Die im Mittelalter aufgekommenen Bezeichnungen der Verbandspersonals einerfingirten,vorgestellten odererdichteten Person stehenund fallen mit der Fiktionstheorie 4 * . Bereits seit längerer Zeit istder Ausdruckmystische Person verschwunden 6 . Der von Pufen-

1 Litt, in den Anm. 1835 zu § 58.

3 Als terminus technicus brauchen diesen Namen zuerst Heise, Grundrifs,Heid. 1807, § 98 ff., Paetz, Lehrb. des Lehnrechts, Gott. 1808, § 40 u. 48, und(unter ausdrücklicher Mifsbilligung der Namenmoralische oder gar mystischePerson) G. Hugo, Lehrb. des heut. röm. R-, 4. Aufl., Berl. 1811, § 11 u. 15 ff.(vgl. 7. Auf!., Berl. 1826, § 13 u. 21 ff.). Durchgesetzt hat ihn Savigny II 240.Gelegentlich spricht schon Gundling, Diskourse über die Pand., Frankf. u. Leipz.1739, zu Dig. 3, 4 § 12 von einerpersona juridica. Vgl. auch den Ausdruckpersona civilis b. Hobbes u. Leihnitz; Gierke, Althus. S. 190 u. 197.

3 Nichtssagend, wenn er nur ausdrücken soll, dafs die Verbandspersönlichkeitein Kechtsbegriff ist; denn in diesem Sinne ist auch die Persönlichkeit des Indi-viduums eine Juristische. Irreführend, wenn er dernatürlichen oderphysi-schen Person eine lediglich durch juristische Kunst oder für juristische Zweckegeschaffene Person entgegensetzen will.

4 Ueber die seit Innocenz IV. vollzogene Prägung des Namenspersonaficta vgl. Gierke, Genossenschaftsr. III 279 ff., 363, 426 Anm. 27, 674, 726. DerName blieb auch in den Zeiten der Vorherrschaft des Naturrechts nebenpersonamoralis in Gebrauch; vgl. z. B. Stryck, Us. mod. 47, 22 § 1, Estor, Kl. SchriftenII 788, Kreittmayr I c. 3 § 1 Nr. 2, c. 7 § 36 Nr. 8, § 42 Nr. 1 u. § 43, IIc. 1 § 5 Nr. 6, § 6 Nr. 1, V c. 30 § 1; Berger, Oecon. jur. IV, 10 § 1 Anm. 1,Günther a. a. O. I § 141 ff. Ueber den Namenpersona repraesentata vgl.Gierke a. a. 0. S. 282, 363, 426, 674, 726;persona intellectualis ib. S. 426,606;persona imaginaria ib S. 726, Carpzov, Jurisp. for. II, 36 d. 6, Kreitt-mayr I c. 3 § 1 Nr. 2, V c. 30 § 1;erdichtete Person b. Leu II c. 20 § 25.Zasius spricht vonumbra personae; Gierke a. a. 0. S. 674. Hobbes von

persona artificialis; Gierke, Althus. S. 190.

6 Der Name geht auf die Auffassung der Korporation als einescorpusmysticum zurück, die ihrerseits wieder aus der Betrachtung der Kirche alscorpus mysticum Christi stammt; Gierke, Genossenschaftsr. III 108 ff., 249, 428,546 ff. Im vorigen Jalirh. war er sehr beliebt; so begegnet diepersona mystieaneben der persona moralis und der persona ficta b. Stryck, Estor, Kreittmayru. Berger an den in Anm. 4 angef. Stellen, neben der persona moralis b. Titius,