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Zweites Kapitel. Das Recht der Verbandspersönlielikeit.
mit aulserordentlichem Erfolge die schon bei manchen Vorgängern zuneuem Durchbruch gekommene streng romanistische Auffassung -wiederher 19 . Statt der blos kollektiven „moralischen Person“ rückte nununter dem Namen der „juristischen Person“ ein in sich abgeschlosseneskünstliches Individuum in den Mittelpunkt des Verbandsrechtes. DieLehre Savignys behauptete lauge eine fast unbestrittene Herrschaftund gilt noch heute Vielen als ein unantastbares Dogma 20 . Dochsind ihr in neuerer Zeit mancherlei Wendungen gegeben worden,die zwar untereinander stark abweichen, aber darin Zusammentreffen,dafs sie die Bedeutung der fiktiven Personifikation abschwächeu 21 .
b. Theorien, die jede Verbandspersönlichkeitstreichen. Die Einsicht, dafs eine derartige fingirte Person alswesenloser Schemen des Daseins nicht w r erth sei, verlieh einer Reihevon Romanisten den Mutli, die juristische Person als lebensunfähig
10 Savigny, Syst. II (1840) S. 235 ff. — In gleicher Richtung zuerst Ch. A.Günther, Principia juris Romani privati novissimi, Yol. I, Jen. 1805, § 141 ff,Heise, Grundrifs, Heidelberg 1807, § 98 ff. u. Wening-Ingenheim, Lehrb. I§ 98 ff.; entschiedener noch Mühlenbruch, Rechtliche Beurtlieilung des Städel-schen Beerbungsfalles, Halle 1828, S. 69 ff, Doctrina pand. (ed. IY 1838) § 196 ff;besonders aber Kierulff, Theorie des gern. Civilr. (1839) S. 129 ff
20 Schroffste Ausgestaltung b. Puchta, Art. „Corporationen“ in WeiskesRechtslex. III 65 ff., Inst. § 190, Pand. u. Vorl. § 25 ff., sowie b. K. Pfeifer,Die Lehre von den juristischen Personen nach gern. u. wiirtt. R., Tübingen 1847.Vgl. ferner v. Vangerow, Pand. I § 53 ff.; Sintenis, Das prakt. gern. Civilr.I § 15; v. Scheurl, Inst. § 40. — Walter, D.l’.R. § 83 ff; Thöi, Volksrecht,Juristenr. u. s. w. S. 40 ff., Handelsr. § 150; Labainl, Z. f. H.R. VII 181 ff.;Renaud, Recht der Aktienges. S. 150 ff.; Roth, Iiurh. Privatr. § 67 ff., Bayr.C.R. § 32 ff, D.P.R. § 32 ff. — Reyscher, Wiirtt. P.lt. § 94; Unger, Oest.P.R. I § 42 ff; Ivrainz, Oesterr. P.lt. (2. Aufl. 1894) I § 80 ff; Crome, Allg.Th. § 17. — Bierling, Kritik der jur. Grundbegriffe II 84 ff, PrinzipienlehreI 103, 220 ff. — Zur Fiktionstheorie neigt auch E. Mayer, Art. „Juristische Per-sonen“ in Stengels Wörterb. des Deut. Verwaltungsr. I 692 ff.
21 So finden Manche in der Personifikation nur den geeigneten Ausdruck fürdie Erhebung einer unpersönlichen Realität zum Privatrechtssubjekt. Vgl. Arndts,Krit. V. J. Sehr. I 93 ff.; Z. f. d. P. u. ö. R. d. G. I 496 ff.; Die Lehre von denVermächtnissen I (1869) S. 415ff; Pand. § 24 u. 41 ff. Auch schon Seuffert, Pand.(3. Aufl. 1852) § 51; Böcking, Pand. (5. Aufl. 1861) § 30 u. 62, Rom. P.R.(2. Aufl. 1862) § 12 u. 24. Ferner Ehrenberg, Beschränkte Haftung des Schuld-ners (1880) S. 450ff. (anders noch Krit. V. J. Sehr. XXI 167 ff). Neuerdings Holder,Ueber das Wesen der juristischen Personen, Erlangen 1886; Pand. I § 29. Aehn-lich Franken, D.P.R. S. 90 ff. — Andere nehmen ein in Wahrheit subjektloses"Vermögen an, halten aber an der Erdichtung eines Subjektes fest, weil sie demtiefen Zuge der Menschennatur zur Personifikation entspreche. Vgl. Windscheid,Krit. Uebersch. I 181 ff., VI 219 ff., Pand. § 49 u. 57 ff. Ferner die Zweckpersoui-fikation b. Baron, Pand. § 29 ff.