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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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§ 52. Geschichtliche Entwicklung des Rechtes der Ehre.

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halten 43 und scheint auch mit der Rechtloserklärung wegen Ver-brechen regelmäfsig verbunden gewesen zu sein 44 , kann aber auchselbständig erfolgen 46 . Begründet wird sie durch ehrlose That.Ehrlos ist eine Handlung, die wider die Treue verstöfst; denn alleEhre kommt von Treue 46 . Man kann die Ehre verwirken, weil manwider die allgemein menschliche Treue (z. B. durch Meineid oderfalsches Zeugnifs) handelt 47 oder eine besondere Treupflicht (z. B. gegenden Dienstherrn oder den Dienstmann, den Blutsfreund oder denGenossen) verletzt 48 oder ein unter Verpfändung der Treue oder derEhre abgegebenes Versprechen (Treuwort oder Ehrenwort) bricht 49 .Wer für ehrlos erklärt ist, geniefst kein Vertrauen mehr; er wardnicht mehr zum Eide verstattet 50 , ist als Zeuge nicht glaubwürdig 61und wird von allen öffentlichen Aemtern und von den Versammlungenund Genossenschaften ehrbarer Männer ausgeschlossen 62 .

c. Verlust einer S o n d e r e h r e. Die einzelnen ständischen

Sachsensp. I Art. 40: den verdelt man sin ere u. sin lenrecht. Schwabensp. (L.)c. 278. Daher können auch nur streng ebenbürtige Schöffen darauf erkennen;Sachsensp. II Art. 12 § 12, III Art. 19.

43 Oben Anm. 5.

44 Dies nimmt Heusler I 196 ff. an. Häufig wird ausdrücklich neben Recht-losigkeit auch Ehrlosigkeit als Folge der Verurtlieilung genannt; Sachsensp. IIArt. 13 § 1 u. Art. 19 § 2, Gosl. Stat. S. 93 Z. 10, andre Stellen h. Kraut Nr. 33,35_36, 3840, Ileusler a. a. 0. Niemals dagegen heifsen die anderen Klassender Rechtlosenehrlos.

45 Beseler S. 237 ff.; Heusler I 197.

46 Gl. zu Sachsensp. III Art. 78 § 1: wente alle ere van truwe kumpt. Vgl.Sachsensp. I Art. 40, Schwabensp. (L.) c. 278, Stellen b. Kraut Nr. 4351.

47 Gosl. Stat. S. 94 Z. 23 ff. u. S. 96 Z. 39 ff.

48 Const. pac. Frider. II d. a. 1235 c. 11 b. Kraut Nr - . 3536; Sachsensp.I Art. 40, III Art. 78 u. 84 § 2; Gl. zu Sachsensp. III Art. 8. Ehrlos wird auchder wegen Untreue abgesetzte Vormund; Schwabensp. (W.) c. 55, Richtst. L.R.Art. 33 § 9: wert en balemundet . . alse verdelet man eme . . sin ere.

49 Urk. v. 1336 b. Kraut Nr. 51: were aver dat Sache, dat wir eyniclie wyszhienvyder deden, so solin wir truwelos, erlös ind meyneydich sin. Auch hierwird Verurtlieilung vorausgesetzt; Beseler § 61 Anm. 21. Näheres im Obli-gationenrecht.

60 Naumburger Stat. v. 1337 § 14 b. Kraut Nr. 64.

51 Kraut Nr. 4344.

52 Denn überall hält man Bescholtene fern, der Ehrlose aber ist ein gericht-lich Bescholtener. Seine öffentlich lconstatirte Bescholtenheit bewirkt auch, dafsihm der Mangel an Ehre und Treue öffentlich vorgehalten werden kann, ohne dafser wegen Beleidigung klagen könnte; diese Folge wurde für den Fall des Brucheseines Treuwortes oft vertragsmäfsig anerkannt und näher bestimmt; davon imObligationenrecht.