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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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§ 45. Gesundheit.

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getretener Genesung nicht rechtswirksam handeln kann 20 . Ueberdieswird aber auch ohne Entmündigung die Handlungsfähigkeit durch jedendauernden oder vorübergehenden Zustand krankhafter Störung derGeistessthätigkeit insofern ausgeschlossen, als derselbe die freieWillensbestimmung aufhebt 21 .

2. V e r s c h w e n d u n g. Lange vor Aufnahme der römischencura prodigi war dem deutschen Becht eine Entmündigung von Ver-schwendern geläufig 22 ; sie wurden auf Antrag von Verwandten undmitunter auch von Amtswegen durch Gericht oder Rath unter Vor-mundschaft gestellt und hierdurch in ihrer Handlungsfähigkeit be-schränkt 23 . Heute ist in Deutschland nach gemeinem Recht undallen Landesrechten eine Entmündigung wegen Verschwendung zu-lässig 24 . Das Verfahren ist reichsgesetzlich geregelt 25 . Mit der Zu-

20 Die Wiederaufhebung wirkt also nur ex nunc. Wird aber der amtsgericht-liclie Entmiindigungsbescblufs auf erhobene Anfechtungsklage durch rechtskräftigesUrtheil als unbegründet aufgehoben, so wirkt diese Aufhebung zwar für die Hand-lungen des inzwischen bestellten Vormundes auch nur ex nunc, dagegen für dieHandlungen des Entmündigten ex tune. C Pr.O. § 613; Motive z. Entw. I 130 ff.

21 Pr. L.R. I, 4 § 2324 u. 2730, Oest. Gb. § 21 u. 865, Sachs. Gb. § 81,Entw. II § 78 Z. 2; Seuff. XXV Nr. 117, XL Nr. 5 u. 177, XLVII Nr. 93;Stobbe IV 515, Dernburg I § 56, Regelsberger § 64 u. 133. Auch sinnloseTrunkenheit, Fieberdelirium, Nachtwandeln, hypnotischer Zustand u. s. w. habendiese Wirkung.

22 Hamb. Stadtr. v. 1270 III Art. 7; Augsb. Stadtr. (Meyer) Art. 100 § 3;kl. Kaiserr. II c. 11; Priv. f. Breslau v. 1339 u. f. Dortmund v. 1379 b. Kraut,Grundr. § 195 a Nr. 78; Urk. b. Lörsch u. Schröder Nr. 206, 310 u. 346;Klever Stat. des 15. Jahrh. tit. 57 § 2 in der Z. f. R.G. IX 431; Grimm, W. V 201§ 1618, VI 374 § 72; Liib. R. (Iiach) II Art. 102. Vgl. Kraut, Vorm. II 210 ff.,ganz besonders aber Stobbe IV § 275 I.

23 Der Verschwender wird ausdrücklich fürunmundich erklärt (Lörsch u.Schröder Nr. 346); er sollsines gudes nicht weldich syn (Hamb. Stadtr.a. a. O.); soweit ihm nicht die Verfügung über bestimmte Mittel belassen ist(Lörsch u. Schröder Nr. 206, Grimm, W. V 201 § 1617), sind seine Ver-träge ungültig (Klever Stat. a. a. O., Grimm, W. V 201 § 1618 u. VI § 72,Lüb. R. II Art. 102).

24 Der Begriff der Verschwendung ist gemeinrechtlich bestritten; vgl. Seuff.XII Nr. 2, XIII Nr. 81, XL Nr. 219 u. 220, XLVII Nr. 205, R.Ger. VII Nr. 105S. 349 ff., XXI Nr. 28. Die Landesrechte sehen theils eine unbegründete undfortdauernde Vermögensvergeudung als ausreichend an (Pr. L.R. I, 1 § 30), theilsfordern sie die Gefahr eines Nothstand.es für den Verschwender oder seine Familie(Oest. Gb. § 273, Sachs. Gb. § 1987 u. Ges. v. 20. Febr. 1882 § 81 c, Hamb.Vorm.O. v. 1879 Art. 86). Im letzteren Sinne entscheidet sich Entw. II § 14Z. 2. Nach manchen Gesetzen bedarf es zunächst einer fruchtlosen obrigkeit-lichen Vermahnung (z. B. Bayr. L.R. I c. 7 § 37 Nr. 2, noch in Kraft nach Entscli.des Obst. L.G. b. Seuff. XXXVIII Nr. 138).

26 C.Pr.O. § 621 ff. (ähnlich wie bei Geisteskrankheit; doch findet das Ver-