Druckschrift 
1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
Entstehung
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

§ 44. Altersunterschied.

383

noch kürzere Termin von 10 Jahren 11 , aber auch ein längerer von15 12 , vereinzelt auch von 14 oder 16 Jahren 13 .

Als diese Termine als verfrüht empfunden wurden, schritt manvielfach zur Verlängerung der Unmündigkeit. Insbesondere wurdenstatt 12 oft 18 Jahre als Grenze bestimmt 14 . Anderswo hielt manan dem Mündigkeitstermin von 12 Jahren fest, führte aber einezweite Altersgrenze ein, bis zu deren Erreichung der Mündige, ob-wohl er der Munt über Andere und über sich selbst fähig war, frei-willig unter Vormundschaft verharren konnte 15 . Dieser zweite Terminwurde im sächsischen Recht und sonst auf 21 Jahre gelegt 18 , währendin manchen Rechten 24 oder auch unter dem Einfiufs des römischenRechts 25 Jahre dafür eintraten 17 . Zur Unterscheidung beider Alters-stufen wurden die Ausdrückebinnen seinen Jahren undbinnenseinen Tagen üblich. Blieb der zu seinen Jahren Gekommene unter

11 So bei den Angelsachsen nach Hlothar u. Eadric c. 6 b. Schmid S. 12;mit dem Zuschläge von Jahr u. Tag auch in Ditmarschen, vgl. oben Anm. 4.

12 So nach rheinfränk. u. burgund. Recht, 1. Rib. 81 u. 1. Burg. 87; ebensonach späteren französ. Quellen, Kraut, Yorm. I 133 ft'.; in Aachen (aber fürMädchen 14 Jahre), Lörsch, Aachener Rechtsdenkm. S. 113 Art. 52; in denStadtr. v. Kolmar § 32 u. Dattenried § 32 b. Gaupp I 120 u. II 181; in Leob-schütz, Kraut I 133; in nordischen Rechten, Rive I 52 u. 73. Für einzelne Be-ziehungen auch nach Augsb. Stat. v. 1276 (Meyer) Art. 40 u. 68.

13 14 Jahre in 1. Wisigoth. IV t. 3 c. 4 u. Scliwabensp. (L.) c. 60 u. 63, worömischer Einflufs wahrscheinlich ist; aber auch nach Berner Handf. v. 1218 § 52,Bayr. L.R. v. 1346 Art. 121 u. 325, Oesterr. L.R. Art. 52 u. s. w.; vgl. Stobbe§ 40 Art. 6 u. 11. 16 Jahre nach Tiroler L.O. v. 1532 III Art. 52 u. Henneb.L.O. v. 1539 III 6, 8; vgl. Kraut I 157 Anm. 15.

14 So im langob. R. seit ed. Liutpr. c. 19 u. 117; nach lüb. R. b. Hach II

Art. 101, 102, 203, Hamb. v. 1270 V Art. 3, Brem. v. 1303 Art. 8, Braunschw.

Rathsver. v. 1408 c. 49 u. anderen niedersächs. Stadtr., Kraut I 135 ft.; nachFrankf. R. im 15. Jahrli., Orth, Anm. I 9 ff.; nach Ditmars. Landr. v. 1567Art. 24; nach Bayr. L.R. v. 1518 t. 51 Art. 4, österr. Statutarr. b. HasenöhrlS. 107 ff., Nürnb. Ref. v. 1564 t. 39 Art. 11. Ebenso nach Aurea bulla c. 7 § 4für Kurfürsten, was dann im hohen Adel vorbildlich wurde. 20 Jahre begegnenin Augsb. Stat. Art. 95, Rigischem Ritterr. c. 40, Oesterr. W. IV 354 Z. 39,französ. u. nord. Rechten, vgl. Kraut I 137.

16 Saclisensp. I Art. 42 § 1, Yetus Auctor I § 64, Erfurter Stat. v. 1306 § 9,

französ. Stat. b. Kraut I 144. Nach dem oben Anm. 6 Bemerkten bestand die

Neuerung zunächst nur in der Setzung einer festen Altersgrenze für die Zulässig-keit der Vormundschaftsverlängerung. Um so weniger darf man mit ThudichumS. 31 an eine Herübernahme von römischem Recht denken.

16 Sachsensp. I Art. 42 § 1, Lehnr. Art. 26; ebenso mehr und mehr imfranzös. u. engl. R., Kraut I 147 ff.

17 24 Jahre im Vetus Auctor I § 65, kl. Kaiserr. II 17, vgl. Kraut I 137 u.141. 25 zuerst im Schwabensp. (L.) c. 51 (hinter 18 J.), 61 u. 63, dann im lüb. R.b. Hach II Art. 102 (hinter 18 J.).