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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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Erstes Kapitel. Das Recht der Einzelpersönlichkeit.

hat auch in der Praxis Auklang gefunden 73 . Mit Recht indefs wirdin der gemeinrechtlichen Theorie und Praxis überwiegend angenommen,clafs der Todeserklärung nur deklarative Bedeutung zukommt, alsTodestag daher schon der Tag zu betrachten ist, an dem die gesetz-lichen Voraussetzungen der Todesvermuthung erfüllt waren 74 . Auchdie neuere Landesgesetzgebung hat sich meist in diesem Sinne ent-schieden 75 . Offenbar entspricht der Geschichte und dem Wesen derTodesvermuthung lediglich eine Auffassung, nach der das Gerichtnur eine bereits vorhandene Wahrscheinlichkeit feststellt; aber auchmit den Anschauungen und Bedürfnissen des Lebens ist die Be-stimmung des Todestages nach fester gesetzlicher Regel besser ver-einbar, als ein System, das über die wuchtigsten Fragen den von Zu-fall und Willkür abhängigen Zeitpunkt der Erledigung des gericht-lichen Verfahrens entscheiden lälst 76 . Somit gilt in Ermangelungabweichender gesetzlicher Bestimmungen als Todestag der Tag, andem die Thatsache verwirklicht war, aus der die Todesvermuthung ent-springt 77 . Dies ist, wo die Todeserklärung sich auf das Lebensalterstützt, der das entscheidende Lebensjahr vollendende Geburtstag; woauf langjährige Verschollenheit, der Tag des Ablaufes der Verschollen-

lassen den Tag des fruchtlosen Ablaufes der Aufgebotsfrist entscheiden; so Brennv. 3. Juli 1826 § 16, Lüh. v. 30. Dez. 1829 § 11, Oldenb. v. 3. März 1844 § 16,Goth. v. 2. Jan. 1844 § 104, Hannov. v. 23. Mai 1848 § 13.

73 Kurhess. Tr. b. Pfeiffer, Prakt. Ausf. IV 379 ff. u. Rotli, Kurb. P.R. § 43Anm. 27; Seuff. V Nr. 31, XXII Nr. 8.

74 Vgl. bes. Leyser sp. 96 in. 9, Hommel, Rbaps. 107 § 3, Cropp II139, Pfeiffer a. a. 0. S. 371 ft., Savigny II 18 ff'., Bruns S. 198 ff., Unger I236 ff, Walter § 109, Beseler § 58 Anm. 13, Roth, D.P.R. I 363, Stobbe I314 ff, Regelsberger 1 252, Riesenfeld § 17 u. die hier S. 110111 Anm.Genannten; ferner Erk. b. Seuff. I Nr. 160, XXV Nr. 5, Wiüttemb. Pr. b. Langa. a. O. § 3 Anm. 3, Mecklenb. b. blau II 359 Anm. 29.

75 Schlesw.-Ilolst. V. v. 9. Nov. 1798 § 2 b. Falck IV 89; Zahlreichesäcbs.-tbür. Ges. b. Ileimbach § 76 Anm. 9 u. § 263 Anm. 1 u. Roth § 61Anm. 21; Frankf. Ges. v. 17. Febr. 1847 § 7; Sachs. Gb. § 43; Hamb. Ges. v.14. Juli 1879 § 6 (mit Ausnahmen); zum Theil auch Bayr. Ges. v. 1879 (vgl. obenAnm. 72); endlich insbesondere das Oesterr. Ges. v. 16. Febr. 1883 § 8, das diebis dahin geltende konstitutive Kraft der Todeserklärung abschaffte, weil der Ring-tlieaterbrand ihre praktische Unbrauchbarkeit enthüllte.

I(i Einen schlagenden Beweis hierfür liefert die Geschichte der österreichischenGesetzgebung; vgl. Strohal a. a. 0. S. 145 ff. Vgl. auch Gierke, Entw. S. 135 ff,Riesenfeld S. 111 fl., Brunner, Verh. des XXI. Juristent. III 178 ff. So hatdenn auch, während Entw. I § 21 der Todeserklärung konstitutive Kraft verlieh,Entw. II § 7 ihre blos deklarative Kraft zu Grunde gelegt.

77 Das österr. Ges. v. 1883 § 8 schreibt Angabe des vermutheten Todestagesim Urtheil vor. Ebenso Entw. II § 7.