Druckschrift 
1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
Entstehung
Seite
369
Einzelbild herunterladen
 

§ 42. Verlust der Persönlichkeit.

369

neue Rechte Zuwachsen und namentlich Erbschaften anfallen können 82 .Diese Lebensvermuthung, die in den meisten deutschen Gesetzenausdrücklich anerkannt ist 33 , mufs als ein wesentliches Stück desgeschichtlich entwickelten deutschen Verschollenheitsrechts auch fürdas geltende gemeine Recht festgehalten werden 34 . Sie ist freilichin unserem Jahrhundert lebhaft angefochten worden 86 und wird, wiezum Tlieil schon von der früheren Praxis 36 , vom Reichsgericht ver-

32 Ob der Erbschaftserwerb des Verschollenen von Rechtswegen oder durchAntretung erfolgt und wer im letzteren Falle für ihn den Antritt erklären kann,entscheidet sich nach dem geltenden Erbrecht. Wo die Lebensvermuthung ver-worfen wird, läfst man, da der Namens des Verschollenen die Erbschaft Forderndeden Beweis des Lebens desselben nicht erbringen kann, die Erbschaft dem nachihm nächsten Erben anfallen.

33 Preufs. L.R. I, 1 § 38, I, 9 § 468 ff., II, 18 § 832 u. dazu Dernburg,Preufs. P.ll. I 8 42; Oest. Gb. § 278 u. Ges. v. 9. Aug. 1854 § 131 b. Unger I245 Anm. 42; Sachs. Gb. § 43 u. Schmidt, Vorl. § 10 B 4; Bayr. A.G. zurC.Pr.O. Art. 99 u. 106; Württ. V. v. 1817 u. Erl. des O.Trib. v. 17. Aug. 1826b. Kraut, Grundr. § 34 Nr. 21; Lüb. V. v. 1829 § 12 ib. Nr. 20; zahlreicheandere Partikulargesetze b. Roth § 61 Anm. 156, ältere b. Bruns S. 171; auchviele Schweiz. Ges. b. Huber I 105 ff.

34 Dafür Leyser spec. 95 m. 24, Iiommel, Rliaps. I 107 u. anderel». Bruns Anm. 161, 169, 174 u. 219 u. Unger I 245 Anm. 43 genannte ältereSchriftsteller; unter den Neueren bes. Kraut II 225 ff., Bruns S. 193 ff, Beseler§ 58 Anm. 2, Stobbe § 38 Anm. 22, Gengier S. 63, Windscheid § 53 Anm. 2und viele Andere (vgl. Riesenfeld S. 124 Anm. 2). Ebenso die gesammte älterePraxis, vgl. Bruns S. 146 Anm. 125 u. S. 170. Desgleichen die neuere v. Berlin(Seuff. III Nr. 298 u. Entsch. XVII 91 b. Kraut Nr. 328), Darmst. (Seuff. IXNr. 130, XXXII Nr. 328), Stuttgart (ib. XX Nr. 1), Jena (ib. XXII Nr. 8), früherauch Celle (ib. V Nr. 31).

35 Mit besonderem Erfolge von Cropp a. a. O. II 145 ff, 156 ff; überein-stimmend Pfeiffer, Prakt. Ausf. IV 360 ff., Schaffer, Z. f. Civilr. u. Proz.N. F. V 396 ff., Mühlenbruch li. Glück XLII 462 ff, Renaud I §55, Mitter-maier § 147 Anm. 27, Walter § 107 ff, Unger 1 245 ff, Roth I 369 Anm. 160,Dernburg, Pand. I 118, Franken S. 69, Regelsberger § 61 III u. vieleAndere (vgl. Bruns S. 195, Unger Anm. 44, Riesenfeld S. 125126); theo-retisch auch Riesenfeld S. 122 ff, der aber S. 126127 die gemeinrechtlicheGeltung der Lebenspraesumtion zugiebt. Angriffe gegen die Lebenspraesumtionwurden zwar schon früher (zuerst 1702 von Lyncker) unternommen, jedoch fastausschliefslich, um die successio ex tune zu rechtfertigen, und selbst da, wo diesefestgehalten wurde, ohne Erfolg; Bruns S. 169ff.

36 Kurhess. Praxis b. Roth, Kurh. P.R. § 43 Anm. 31, § 161 Anm. 2022;frühere bayr. b. Roth, Bayr. C.R. §20 Anm. 79-81, Seuff. XXXIII Nr. 190;Braunscliweig. b. Seuff. IX Nr. 49 u. Steinacker S. 26 Anm. 3; Hannover,b. Seuff. IX Nr. 254 XXXV Nr. 177; vgl. auch Seuff. III Nr. 185, VII Nr. 356,XII Nr. 1, XIV Nr. 149, XV Nr. 200, XXXI Nr. 207.

Binding, Handbuch. II. 3. I: Gierke, Deutsches Privatrecht. I.

24