346 Drittes Kapitel. Ausübung und Schutz des subjektiven Rechts.
Nothfällen 59 . Das alte Recht kannte auch privilegirte Thiere, dienieht gepfändet, sondern nur in schonender Weise verjagt werdendurften 60 .
Ebenso ist bei der Personalpfändung jede unnöthige Gewaltverboten 61 . Doch darf der rechtmäfsig Gepfändete sich nicht zurWehr setzen (Pfandwehrung), noch das genommene Pfand wieder ansich reifsen (Pfandkehrung), noch seinerseits ein Pfand nehmen (Gegen-pfändung), widrigenfalls er bufsfällig wird 62 und der Gewaltanwendungunterliegt 63 . Wer unrechtmäfsig pfändet, wird ersatzpflichtig undstraffällig 64 und setzt sich der Gegenwehr aus 65 .
c. Die Pfändung mufs mit Mafs erfolgen. Bei der Schüttungsoll nur das zur Sicherung erforderliche Vieh zurückbehalten werden 66 .Die Personalpfändung soll vornehmlich an dem Werkzeug der Schä-digung stattfinden, sonst sich auf eine für den Sicherungszweck aus-
59 Schweiz. Obi. R. Art. 66.
60 So der Wucherstier, Eber oder Widder des Dorfes (Grimm, W. I 100,321, III 683 § 12, IV 401 § 16, V 190 § 26, Oesterr. W. I 23, VI 58 § 38, VII41 Z. 21 fl'., Graf u. Dietherr III Nr. 299 u. S. 120 ff., Gierke, Humor S. 23Anm. 57—58, S. 62 Anm. 162); eine schneeweifse Sau mit sieben schneeweifsenFerkeln (Grimm, W. III 41 § 14) oder mit neun schwanrveifsen Ferkeln (ib. S. 46§ 53, 69) u. s. w.
61 Wilda S. 286; Pr. L.R. I, 14 § 423, 461 ff; Sachs. Gb. § 490.
62 Vgl. L. Burg. 27 § 6; ed. Liutpr. c. 40; Ansegis II 35; Sachsensp. IIArt. 27 § 4; Schwabensp. (L.) c. 280; nordische Rechte b. Wilda S. 291 Anm. 293;spätere Quellen S. ib. 292 Anm. 294; Pr. L.R. I, 14 § 458—460 u. 465; Preufs. Ges.v. 1. Apr. 1880 § 17.
63 Nach altem Recht konnte er sogar bufselos getödtet werden; L. Burg,a. a. O., Sunesen b. Wilda S. 244, Augsb. Stat. (Meyer) Art. 94, Grimm, W.I 501, III 276, 277, 280 § 10, VI 399 § 21. Andere Quellen gestatten, ihn mitdem Gerüfte zu bestätigen; Sachsensp. a. a. O., Richtst. Landr. Art. 41—42,Gosl. Stat. S. 22 Z. 2 ff Dagegen verbietet Schwabensp. a. a. O. jede Gewaltund verweist auf Gerichtshülfe. Ein gewisses Mafs von Gewaltanwendung mufsauch heute gestattet sein; vgl. Förster-Eccius, Preufs. P.R. I § 49 Anm. 11.
04 Vgl. Brunner, R.G. II 449 Anm. 28; Wilda S. 292; Pr. L.R. I, 14§ 462—464; Preufs. Ges. v. 1. Apr. 1880 §17 Z. 4.
65 Nach den Weisthümern kann er sogar bufselos getödtet werden (Grimm,W. I 501, 714, VI 399 § 1); so insbesondere auch der Förster, der hei der Ver-folgung des Waldfrevlers in dessen Haus eindringt (Grimm, W. I 414, 422, 428,Gierke, Humor S. 64 Anm. 165). Heute entscheiden die allgemeinen Regeln überNothwehr.
66 Wilda S. 288 ff; Bayr. L.R. II c. 6 § 24; Pr. L.R. I, 14 § 425 u. 429,Feldpol.O. v. 1847 § 7; Oesterr. Gb. § 1321; Luzerner Gh. § 728. Bei der Pfän-dung um Schuld begegnet das Verbot der Pfändung ganzer Herden schon in denVolksrechten, Brunner II 449.