§ 39. Schutz der Rechte durch Selbsthülfe.
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a. Sie darf nur auf dem Grundstück selbst vollzogenwerden 62 . Doch gestatten manche Gesetze in Uebereinstimmung mitälteren Quellen die Pfändung bei der Verfolgung innerhalb derselbenFeldflur 63 .
b. Sie soll ohne unnöthige Gewalt erfolgen.
Darum darf gepfändetes Vieh nur eingetrieben, nicht getödtetoder verletzt w r erden 54 . Doch erhielt sich manchen Thieren gegenüberdas in der Urzeit vermuthlich allgemeine Tödtungsrecht 66 , dasnamentlich bei Gänsen, Fmten und Hühnern in Uebung blieb 66 undmitunter noch in der Form einer an den Ursprung aus dem Rache-recht erinnernden Hinrichtung vollzogen wurde 67 . Heute begegnetein solches Tödtungsrecht noch im Jagd- und Fischrevier 58 und in
52 Sachsensp. II Art. 47 § 3; Leyser sp. 595 m. 8; Wilda S. 283; Sachs.Gb. § 489 (oder auf einem anstofsenden Wege).
53 Pr. L.R. I, 14 § 420—423. Ebenso Stat. v. Blankenburg u. Ilm b. Walch
V 109 u. 131. Rach den Weisthümern kann der Förster den Holzfrevler verfolgen,bis er auf einen rechten Weg gelangt (Grimm, W. I 329, 769 § 18) oder einebestimmte Strecke zurückgelegt hat (ib. IV 795 § 29) oder den Wald verlädst (ib.
V 374 § 16) oder in eine andere Mark entkommt (ib. I 579 § 7) oder sein Hof-thor erreicht (ib. I 414 , 422 , 428, Murtener Stadtr. b. Gaupp II 153 § 9). Ein
obrigkeitlich verpflichteter Flurwächter kann auch nach Sachs. Gb. § 489 hinsicht-lich der einzelnen Grundstücke in seinem ganzen Bezirk pfänden.
64 So schon nach 1. Salica t. 9 § 1 und den anderen Volksrechten; ebensonach altnordischen Rechten, Wilda S. 285.
55 Ueber das ursprüngliche Tödtungsrecht und dessen Reste vgl. WildaS. 231 ft'., Nägeli S. 19 ff., 60, 68 ff., 77, v. Arnira, O.R. II 256 ff., Brunner
II 532. Nach langob. u. bürg. Recht durfte man eines von mehreren Schweinen
tödten; die 1. Bajuv. t. 14 c. 17 verbietet dies, doch halten noch spät österreichi-sche Weisthümer daran fest, z. B. Oesterr. W. V. 609 Z. 24 ff. Schweizerischeund österreichische Weisthümer erlauben die Tödtung einer Gais; Grimm, W. I206, III 714, 719, Oesterr. W. V 237 § 31. — Vgl. auch Sachsensp. II Art. 40 § 5.
56 Vgl. z. B. Grimm, W. I 127, 205, III 46 § 48, V 117 § 3, Oesterr. W.
III 132 Z. 12 ff., IV 373 Z. 18 ff., V 237 § 31, VII 71 Z. 43 ff., GeldernschesLandr. v. 1619 Th. II t. 6 § 5 Nr. 11. Von ihnen heifst es rechtsspriichwörtlich,dafs sie keinen Frieden haben, mit dem Kopf bezahlen, ihr Recht auf dem Buckeltragen; vgl. Graf u. Dietlierr III Nr. 302—307.
57 So namentlich an Gänsen und Gaisen; z. B. Grimm, W. I 127, III 30,42 § 21, 308 § 12, V 188 § 7, Oesterr. W. I 29 Z. 3 ff., 58 Z. 42 ff., 68 § 26,
V 609 Z. 27 ff., VII 41 Z. 7 ff., 47 Z. 38 ff, 506 ff. § 43 u. 50; dazu Gierke,Humor S. 62, v. Arnira, Thierstrafen S. 593, Brunner II 582.
68 Vgl. Wilda S. 260 Anm. 187; Pr. L.R. II, 16 § 64—65 (Hunde und Katzenim Jagdrevier), I, 9 § 189 (Enten auf dem Fischwasser); Oesterr. Forstges. v.3. Dez. 1852 § 65 (Ziegen, Schafe, Schweine und Federvieh im Walde). — EinTödtungsrecht bei Hühnern und Tauben noch im Bündner Gb. § 309.