§ 39. Schutz der Rechte durch Selbsthülfe.
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Dagegen gehört das aulsergericlitliche Pfändimgsrecht im Bereichedes einem öffentlichrechtlichen Verbände zur Beitreibung von Forde-rungen eingeräumten Verwaltungszwanges nicht dem Privatrecht au.
b. Die eigenmächtige Pfändung zur Sicherung hatsich in der doppelten Gestalt der Viehpfändung (Schüttung)und der Personalpfändung, in der sie schon den Volksrechtenbekannt ist 2 “ und in den Quellen des deutschen Mittelalters all-gemeiner Anerkennung erfreut 30 , auch nach der Rezeption des römi-schen Rechts als gemeines deutsches Gewohnheitsrecht behauptet 31 .Die neueren Gesetzbücher mit Ausnahme des französischen haben sieaufgenommen 32 ; doch erwähnt das österreichische Gesetzbuch nurdie Viehpfändung 33 . Im Laufe der Zeit mancherlei Wandlungenunterworfen, hat dieses Rechtsinstitut doch im Ganzen sein urwüchsigesGepräge bewahrt und sich vermöge seiner Volksthümlichkeit der Ver-kümmerung und Verbildung, womit es von der romanisirenden Theoriebedroht wurde, kräftig erwehrt 34 .
2. Wesen. Die eigenmächtige Pfändung besteht also heute inder zum Schutz des Grundbesitzes erlaubten Besitznahme von Vieh,das ein Grundstück betritt, oder von Sachen, die eine das Grundstück
29 Vgl. über die Viehpfändung 1. Sal. t. 9, 1. Rib. t. 82, 1. Bajuv. t. 14c. 17, 1. Burg. t. 23 u. 49, 1. Wisig. 1. 8 t. 3 c. 13 sq., ed. Rothar. c. 343 u. 346,ed. Liutpr. c. 86; über die Personalpfändung ed. Liutpr. c. 146, 1. Wisig. 1. 8t. 5 c. 1. Dazu über das altnordische Recht v. Araira, Nordgermanisches Obli-gationenrecht, Leipzig 1882 ff., I § 35, II § 26.
80 Saclisensp. II Art. 27 § 4, Art. 28 § 1, Art. 47, III Art. 20 § 2; Schwabensp.(L.) c. 195 u. 212; Augsb. Stat. Art. 89 (Meyer 172); Gosl. Stat. S. 37 Z. 4,S. 40 Z. 40 ff, S. 43 Z. 6 ff, S. 68 Z. 26 ff; Verm. Saclisensp. II c. 8 d. 2—8.Ueberaus häufig und eingehend beschäftigen sich begreiflicher Weise die ländlichenWeisthiimer mit diesem Pfändungsrecht; vgl. die in den Registern zu der Grimm-schen Sammlung (VII 134) und zu den einzelnen Bänden der österreichischenWeisthümersannnlung nachgewiesenen Stellen.
81 Vgl. Mevius, Jus Lub. III Art. 11 § 9; Stryck a. a. 0. c. 1 § 38;Strüben, Rechtl. Red. Nr. 673; Wilda a. a. 0. S. 249 ff — A. M. anscheinendRegelsberger § 191 Anm. 5.
32 Bayr. L.R. II c. 6 § 24; Preufs. L.R. I, 14 § 413 ff u. dazu Feldpolizei-ordnung v. 1. Nov. 1847 § 4 ff u. Feld- und Forstpolizeigesetz v. 1. April 1880§ 77 ff u. 96 Z. 2; Sachs. Gb. § 488 ff. — Vgl. auch Liv-, Est- u. Kurland. P.R.Art. 3390 ff.
83 Oest. Gb. § 1321—1322. Ebenso kennt das Württ. R. nach Wächter II§61 Anm. 25 nur die Thierpfändung.
34 Auch heute freilich sind ihm die Juristen selten hold; vgl. die Motive zumEntw., der es den Landesrechten überweist, I 353 ff. (dazu Gierke, Entw. S. 77)und die Verb, des XX. Juristentages III 269 ff. (Gutachten von Mörscheil, dassich für völlige Abschaffung ausspricht) u. IV 277 ff (Beschlufsfassung der 2. Abtli.,die wenigstens die Thierpfändung schonen will).