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Drittes Kapitel. Verliältnifs der Rechtsquellen zu einander.
nachfolge in Forderung oder Schuld 77 . Doch kann nach den Um-ständen dasselbe Schuldverhältnil's in verschiedenen Richtungen ver-schiedenen Ortsrechten unterliegen 78 . Insbesondere ist der Umfangder Verpflichtung des Bürgen nach dem Gesetz des Ortes, an dem erzu erfüllen hat, nicht nach dem Gesetz des Erfüllungsortes derHauptschuld zu bemessen 79 .
2. Deliktsobligationen. Ueber die privatrechtlichen Folgeneiner unerlaubten Handlung entscheidet das Gesetz des Ortes derHandlung 80 . Irrig ist die Meinung, dafs es vielmehr auf die lex foriankomme 81 . Hierher gehören auch die Entschädigungsansprüche eineraul'serehelich Geschwächten 82 .
3. Gesetzliche Verbindlichkeiten beherrscht das Gesetzdes Ortes, an dem das dauernde Verhältnis, dem sie entspringen,besteht, oder aber der Thatbestand, an den sie geknüpft sind, siebverwirklicht hat 88 . Dies gilt namentlich auch für Verpflichtungenaus vertragsähnlichen Vorgängen 84 und aus deliktsähnlichen That-beständen 85 .
77 Bar II 79 ft'.; Deut. Entw. § 14. (Anders Seuff. X Nr. 220.) Auch überdie Zulässigkeit der Einrede der lex Anastasiana; R.Ger. XIV Nr. 58, Stobbe I262, Bar II 86 ff. (A. M. Savigny VIII 277: lex fori.) — Soweit jedoch dieCession als selbständiges Rechtsgeschäft zwischen dem Cedenten u. dem Cessionarin Frage steht, unterliegt sie ihrem eigenen örtlichen Recht; R.Ger. Seuff. XLVIIINr. 175.
78 Vgl. z. B. R.Ger. IX Nr. 8 S. 52—53 u. Nr. 123 S. 438, XXVIII Nr. 11S. 66; O.L.G. Hamb. b. Seuff. XLV Nr. 161; Obst.L.G. f. Bayern ib. XLVIII Nr. 1.
79 R.Ger. IX Nr. 46; Bar II 110 Anm. 11; Dernburg § 48 Anm. 6.
80 Seuff. III Nr. 295, IX Nr. 247, XL Nr. 20, XLVII Nr. 3; R.O.II.G. XXIII
174 ff., R.Ger. VII Nr. 116 S. 378; Unger I 188; Beseler S. 124; Stobbe § 33
Anm. 34; Bar II 115 ff.; Böhm S. 139 ff; Regelsberger § 44 II 2. — Bei
einer unerlaubten Handlung, deren Erfolg in einem anderen Rechtsgebiet eintritt,nimmt das R.Ger. XXIII Nr. 65 mehrere Begehungsorte an; vgl. aber Bar II120 ff; Kahn a. a. 0. S. 118 ff
81 Wächter XXV 392 ff; Savigny VIII 278 ff.; Wyfs S. 95; SchmidS. 76 ff.; Seuff. IX Nr. 1, XI Nr. 3, XXV Nr. 115. Richtig ist auch hier nur,dafs der Richter durch ausschliefsliche Sätze seines Rechts gebunden ist; daherdarf er z. B. eine nach seinem Recht unzulässige Privatstrafe nicht zuerkennen;Bar II 118, Deut. Entw. § 13 Abs. 2.
82 Seuff. I Nr. 153, II Nr. 118, XXXI Nr. 196; Beseler a. a. O.; StobbeI 267; Bar II 126.
83 Bar II 114 ff, Lehrb. § 34; Barazetti S. 212 ff Anders Deut. Entw.§ 12 (lex domicilii des Schuldners bei Eintritt der verpflichtenden Thatsache).
84 Bar II 123 ff; Obst.L.G. f. Bayern Seuff. XXXVIII Nr. 201 (Be-reicherungsanspruch); vgl. auch Bar II 215 ff. über die Ansprüche auf Berge- undHülfslohn. Hinsichtlich der erforderlichen Einschränkungen vgl. Seuff. XXVINr. 217, Bar II 125, Regelsberger I 175.
85 R.Ger. XIX Nr. 73, R.Ger. b. Seuff. XLIV Nr. 16 (Haftung für Berg-