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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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Drittes Kapitel. Verhiiltnifs der Rechtsquellen zu einander.

mafsgebend . Für diese Bedeutung des Rechtes des Erfüllungsorteshat sich die deutsche Praxis überwiegend erklärt 66 . Doch fand in derälteren deutschen Praxis auch die der Statutentheorie entsprechende,in Frankreich noch heute herrschende und in manche Gesetzbücherübergegaugene Meinung Anklang, dafs im Zweifel vielmehr das Rechtdes Entstehungsortes der Obligation anzuwenden sei 67 . Die lex actusist aber der lex solutionis nur insoweit vorzuziehen, als eine Unter-werfung unter das am Orte des Geschäftsabschlusses geltende Rechtanzunehmen ist 68 . Neuerdings vertheidigen Viele mehr oder minderunbedingt den Vorrang des Personalstatuts (und zwar regelmäfsig derlex domicilii) des Schuldners 0. Allein wenn der Schuldner auswärts

° r> Savigny VII! 203 ff., 240 ff, Gerber § 32 Anm. 12 ff, Walter § 48,Unger I 179 fl', Böblau I 456 ff, Dernburg I 108, Itoth I 297, BöhmS. 109 ff, Gengler S. 47. Uebereinstimmend Sachs. Gb. § 11. Dafs es sichhierbei nicht um die Annahme stillschweigender Unterwerfung, sondern um einesubsidiäre liechtsregel handelt, führt richtig das R.Ger. XII Nr. 8 S. 37 aus.

66 Sen ff. VII Nr. 136, VIII Nr. 3, XV Nr. 183, XIX Nr. 5, XXI Nr. 2,XXIV N. 268, XXXV Nr. 88, XXXVII Nr. 3, XLVII Nr. 2; R.O.II.G. II 270 ff,IX 7 ff, XII 56, 286, XV 9, 134, 212, XVI 16, XXI 289, XXIII 208, XXV 194 ff;

R. Ger. VI Nr. 33, IX Nr. 2, Nr. 60, XII Nr. 1, XXIX Nr. 34, XXX Nr. 35;Bayr. Praxis b. Roth, Bayr. C.R. I § 17 Anm. 109; Schweiz, b. Huber I 95.Eine Anwendung hiervon machten die deutschen Gerichte in den österreichischenKuponprozessen; sie haben daran festgehalten trotz des Widerspruchs vonE. I. Belcker, Die Couponsprozesse der Österreich. Eisenbahngesellschaften, Weimar1881, lies. S. 51 ff; vgl. auch G. Hartmann, Internationale Geldschulden, Frei-burg u. Tübingen 1882, u. Bar II 48 ff, die aber im Ergebnifs den deutschenGerichten zustimmen. Anders, wo nur einzelne zur Erfüllung gehörige Handlungenauswärts erfolgen sollen; R.Ger. XIV Nr. 26, Seuff. XL1V Nr. 240.

67 Seuff. II Nr. 120, 253, IV Nr. 3, VI Nr. 1; R.O.II.G. XII 414: dafürWächter XXV 44 ff u. 396, Beseler § 39 Anm. 25. Ueber die französischeTheorie und Praxis vgl. Zachariae 1 § 31 (8. Aufl. §30) a. E., Aubry et RauI § 31 Anm. 63 ff., Bar II 8 ff, Barazetti S. 205 ff. (anders die rheinische, ib.

S. 208). Ebenso mit gewissen Ausnahmen das Oesterr. Gb. § 3437, vgl. JettelS. 104 ff'.; das badische Recht, Barazetti S. 207; auch Schweiz. Gb., Huber I 94ff.

68 So z. B. bei Mefs- und Marktgeschäften; dagegen gewifs nicht, wenn zweiInländer bei einem zufälligen Zusammentreffen im Auslande kontrahiren. Vgl. Bad.Konst. Ed. v. 1808 § 13 b. Niemeyer § 123.

69 So namentlich Thöl, Einl. § 85, Bar II 13 ff., Windscheid § 35,Mommsen S. 174 ff, Regelsberger § 44 I, zum Theil auch Stobbe § 33;(nicht aber, wie Bar II 13 u. Lehrb. § 31 Anm. 5 meint, Roth, der nur in Er-mangelung eines Erfüllungsortes die lex actus und die lex domicilii beachten will).Ebenso Deut. Entw. § 11. Dafs hier jedenfalls, auch wenn sonst die lex originisals Personalstatut gilt, die lex domicilii an die Stelle treten mufs, führt Bar II24 ff. richtig aus; anders Cod. civ. Ital. Art. 9 al. 2. Bei zweiseitigen Geschäftenmüssen die Anhänger dieser Ansicht die Verpflichtungen jedes Theiles nach ver-schiedenem Recht beurtheilen; Bar II 15 ft'., Lehrb. S. 109, Seuff. XIX Nr. 5.