20. Das Gewohnheitsrecht.
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schreitet, als nichtig zu behandeln 71 . Im Uebrigen hat er dasSatzungsrecht von Amtswegen zu erforschen und anzuwenden 72 .
§ 20. Das Gewohnheitsrecht 1 .
I. Begriff. Gewohnheitsrecht ist ungesetztes Recht; somitRecht, das von einer Gemeinschaft unmittelbar durch Uebung erklärtist. Das Gewohnheitsrecht kann Volksrecht oder Juristenrecht sein.Inwieweit es im zweiten Falle Besonderheiten aufweist, soll unten be-sprochen werden (§ 21).
II. Geschichte. Im deutschen Mittelalter herrschte das un-gesetzte Recht weitaus vor; es hatte nicht nur unbezweifelt gleicheKraft mit dem gesetzten Recht, sondern galt als ehrwürdiger undheiliger. Man berief sich allgemein, um Rechtssätze vor Anfechtungzu sichern, auf die Ueberlieferung der Vorfahren und suchte womög-lich ihre Entstehung in graues Alterthum hinaufzurücken; und mantrug Scheu, am Brauch der Väter willkürlich zu ändern, da man inihm einen ererbten Schatz sah, den man für kommende Geschlechtertreu zu hüten habe 2 . Gewohnheitsrecht war es, das Schöffen und
71 Vgl. z. I?. R.Ger. X Nr. 37, Berliner O.Trib. b. Seuff. XXXI Nr. 198.
12 C.Pr.O. § 265. Die „Statuten“ werden liier hinsichtlich des Beweises demGewohnheitsrecht und dem fremden Recht gleichgestellt; vgl. dazu unten § 20 VII.
1 Vgl. aufser den in Anm. 1 zu § 17 angef. Schriften von Savigny, Puchtau. Beseler lies, noch: E. Meier, Die Rechtsbildung in Staat und Kirche, Berlin1861; W. Luders, Das Gewohnheitsrecht auf dem Gebiete der Verwaltung, Kiel1863; F. Dahn, Z. f. deut. Gesetzg. VI 553 ff.; Fr. Adiek es, Zur Lehre vonden Rechtsquellen und insbesondere über das Gewohnheitsrecht, Kassel undGöttingen 1872; Zoll, Jahrb. f. Dogm. XIII 416 ff.; A. Sturm, Der Kampf desGesetzes mit der Rechtsgewohnheit, Kassel 1877, Recht und Rechtsquellen, Kassel1883; E. Zitelmann, Arch. f. civ. Pr. XLVI 324ff.; G. Rümelin, Jahrb. f. Dogm.XXVII Nr. 3; \V. Schuppe, Das Gewohnheitsrecht, Breslau 1890. — Savigny,Syst. 1 § 12 u. 18; Windscheid, Paml. I § 15—18; Dernburg, Pand. I § 26—28; Regelsberger, Pand. I § 19—23. — Maurenbrecher, D.P.R. I § 20 ff.;Thöl, Einl. § 51—53; Beseler, D.P.R. § 29—33; Gerber, D.P.R. § 28; Stobbe,D.P.R. § 21-23; Roth, D.P.R. § 44; Gengier, D.P.R. § 13; Franken,D.P.R. S. 42 ff. — Wächter, Württ. P.R. II 32 ff.; Böhl au, Meckl. L.R. I§ 52—55; Unger, Oester. P.R. I § 5; Pfaff u. Ilofmann, Komm. 1 230 ff. —Laband, Z. f. d. g. 1I.R. XVII 466 ff.; Goldschmidt, II.R. I 316 ff.; Behrend,II.R. I § 18. — Schulte, Das katholische Kirchenrecht, Th. I (Giefsen 1850)S. 199 ff.; Richter, Kirchenr. § 84; Kahl, Ivirchenr. I 129 ff.; v. Scheurl,Zeitschr. f. Kirchenrecht II 184 ff., III 30 ff. u. 387 ff. — Rinding, Straff. I§ 44-45.
2 Vgl. J. Grimm, R.A. S. 772 ff.; die Rechtsspriickwörter b. Graf u.Dietherr I Nr. 115—120; die Stellen aus Weisthümcrn b. Gierke, Genossen-