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Zweites Kapitel. Das Werden des objektiven Rechts.
örtliche Verordnung Rechtsnormen setzen 33 . Ebenso ist den Gemeinde-verbänden höherer Ordnung das Recht zum Erlafs von Statuten(Kreisstatuten, Provinzialstatuten u. s. w.) gewährt 34 .
3. Die Kirchen üben auf dem Gebiet des Kirchenrechts heutewieder ein umfassendes Satzungsrecht aus 35 . Den autonomischenSatzungen der Gesammtkirchen wird der Name des „Kirchengesetzes“zugestanden, während die durch das Satzungsrecht der Gesammtkirchebeschränkten Satzungen der einzelnen kirchlichen Gemeinden undKörperschaften „Statuten“ heifsen 36 .
4. Auch den sonstigen Körperschaften des öffentlichenRechts steht ein Satzungsrecht zu. Denn obschon die ausgedehnteAutonomie, deren sich einstmals z. B. die ständischen Korporationen,die Universitäten und die Zünfte erfreuten, untergegangen ist, so istdoch den alten Korporationen irgend ein Rest von Autonomie ver-blieben und den neu begründeten öffentlichrechtlichen Genossenschaftenirgend ein Stück von Autonomie zugetheilt 37 .
1 5. Endlich aber gebührt ein freieres Satzungsrecht den Körper-
’ schäften des Privatrechts. Freilich wird ihren „Statuten“auch von Manchen, die den Begriff der Autonomie sonst anerkennen,der Satzungscharakter abgesprocheu 38 . In der That aber schafft jedes
33 Ygl. z. B. Preufs. östl. St.O. v. 30. Mai 1853 § 11 u. L.G.O. v. 3. Juli1891 § 6, Westfäl. St.O. § 11 u. L.G.O. § 13, Rhein. St.O. § 10 u. Gem.O. § 11;Hannov. St.O. v. 24. Juni 1858 § 1—2,- L.G.O. Art. 8, Kurhess. Gem.O. § 3; Stichs.St.O. v. 24. Apr. 1873 § 2—3, L.G.O. § 2—3; Grofsh. Iless. St.O. Art. 9, L.G.O.Art. 8; Bad. St.O. § 2; Württ. Gem.O. Art. 3; fernere Nachweisungen b. Gierke,Genossenscliaftsr. 1(749—751, E. Lüning, Verwaltungsr. S. 182 ft'., E. Leidig,Preufs. Stadtrecht, Berlin 1891, S. 186—191. — Ueber das Ortsstatut als Rechts-norm vgl. auch das R.Ger. in Entsch. b. Gruchot, Beitr. XXXI Nr. 23 S. 425bis 436.
34 So in allen preufs. Kreis- u. Provinzialordnungen nach dem Vorbild deröstl. Kreis-O. v. 13. Dez. 1872 § 20 u. Prov.O. v. 29. Juni 1875 § 8; vgl. auchGierke a. a. 0. S. 793 Anm. 59, K. v. Stengel, die Organisation der preufs.Verwaltung, Leipzig 1884, S. 193 ff. u. 291 ff.
36 Ueber das Wesen der kirchlichen Autonomie (zunächst nach preufs. R.)finden sich vortreffliche Ausführungen im Erk. des R.Ger. v. 28. Jan. 1889 XXIIINr. 5 S. 26—28.
36 Vgl. Richter, Kirclienr. § 165—172; llinschius, Kirchenr. III § 191—197;Friedherg, Kirchenr. § 97 u. 99.
37 Vgl. bes. Rosin, Das Recht der öffentlichen Genossenschaft, Freiburg 1886,S. 181 ff.
X 33 So von Unger, Oesterr. P.R. I 32; Bühlau, Meckl. L.R. I 317; Stobbe,D.P.R. I 160 ff.; Gengier, D.P.R. S. 26; Franken, D.P.R. S. 48—49. Diegenerellen Bestimmungen über die Vertragsbedingungen, unter denen eine Körper-schaft die Eingehung gewisser Rechtsgeschäfte mit Dritten anbietet, sind freilich