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1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
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Zweites Kapitel. Das Werden des objektiven Rechts.

zu beseitigen 16 . In diesem Kampfe wurde sie von der juristischenTheorie lange Zeit nur theilweise gefördert, vielfach gehemmt 17 . Zu-letzt aber siegte auch in der Jurisprudenz mehr und mehr dieRichtung, die dem Staate ein Rechtserzeugungsmonopol beilegte undsomit jede echte Autonomie verneinte. Unter Benützung von ver-einzelt schon seit dem Mittelalter ausgesprochenen Gedanken 18 wurdenun alles thatsächlich fortbestehende Satzungsrecht vor die Wahlgestellt, entweder als ein Stück delegirter Gesetzgebungsgewalt imGesetz oder als blofser Anwendungsfall der Vertragsfreiheit im Rechts-geschäft aufzugehen 19 . Demgennifs wurde sogar eine technische Ein-

10 Vgl. die Zusammenstellung des bis zur Mitte des 17. .Tahrh. in dieserRichtung Erreichten b. Gierke a. a. 0. III 774777, hinsichtlich der späterenZeit ib. I 667 ff., 706 ff, 809 ff u. 934 ff

11 Die herrschende Meinung hielt bis ins 18. Jahrh. daran fest, dafs gemein-rechtlich jeder universitas ohne besondere Verleihung eine Satzungsgewalt zusteheund auch eine obrigkeitliche Bestätigung nicht erforderlich sei; gegentheilige neuereGesetze erklärte sie aber meist für zweckmäfsig. Vgl. die Stellen aus Werken derPraktiker b. Gierke III 703 Anm. 41; Mynsinger, Apotelesma ad Inst., ed. 2Basil. 1563, zu Inst. 1, 2; C. Lagus, Jurispr. utr. trad. method. I c. 3 Bl. 4 ro;Schneidewin, Comm. Inst., Argent. 1571, p. 1314; Sichardt, Prael. in Cod.,Francof. 1614, zu 1. 7 et ult. C. 3, 13 Nr. 5 u. 1. 2 C. 4, 18 Nr. 8; Mevius adjus Lub. IV, 13 a. 3 Nr. 37, Decis. III d. 284, Consil. 49 Nr. 9, 1617 u. cons. 50Nr. 4 5; Brunnemann zu 1. 9 D. 1, 1 Nr. 4, 1. 4 I). 47, 22 Nr. 1 u. 56,I. 1 C. 1, 1 Nr. 4; Leyser spec. 8; Heineccius, De coli, et corp. opif. II§ 15 u. 18. Am bündigsten vertritt den Gedanken der echten Autonomie Fr. Con-nanus, Comm. juris civilis, Bas. 1557, I c. 10 Nr. 7. Auch von der naturrecht-lichen Gesellschaftslehre her wurde die Autonomie seit Althusius mitunter ge-rechtfertigt; vgl. z. B. Wolff, Inst. § 846, Nettelbladt, Syst. nat. § 398399.Vom geschichtlichen Standpunkte aus erhob dann für sie zuerst J. Möser seineStimme; Patriot. Phantas. II Nr. 2, III Nr. 20, IV Nr. 41. Daneben fehlt esnatürlich seit der Rezeption nicht an Juristen, die kein Statut ohne obrigkeitlicheBestätigung als kräftig anerkennen wollen; vgl. Gierke a. a. 0. III 678 Anm. 123(Zasius), 706707 Anm. 45, 47 u. 48.

18 Einerseits wurde früh der Versuch gemacht, alle Kraft der Statuten ausder Autorität des staatlichen Gesetzgebers, sei es nuH mittels vorgängiger Kon-zession oder mittels nachträglicher Sanktion, herzuleiten; vgl. die Stellen b. Gierkea. a. 0. III 308 Anm. 195 (Goffredus Tranensis), 385 Anm. 133 (Cinus,Fab er u. A.) u. 457 Anm. 202, aus späterer Zeit besonders A. Fab er, Jurispr.Papin. I, 2 P. 11 ill. 2. Andrerseits bemühte man sich oft, die Geltung alleroder gewisser Statuten aus dem Begriff eines Vertrages (pactio, conventio) unterden Genossen oder auch einer Verfügung (dispositio) der Korporation über ihrEigenthum zu rechtfertigen; vgl. die Stellen b. Gierke a. a. 0. S. 216, 308Anm. 194, 460 Anm. 218, 708711.

19 Zu dieser Alternative drängen z. B. die Ausführungen v. B. Carpzov,Jurispr. for. II, 6 def. 9 Nr. 25, Proc. jur. II a. 2 Nr. 187191 u. a. 3Nr. 94 101, Respons. I r. 48, Decis. 285, sowie v. G. A. Struv, Syntagma jur.