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Zweites Kapitel. Das Werden des objektiven Rechts.
darüber entzogen, ob es zu einer königlichen Verordnung etwa derMitwirkung des Landtages bedurft hätte. Doch hat ein derartigerRechtssatz des Einzel staatsrechtes nicht nur für die Frage nach demrichterlichen Priifungsrecht bei Gesetzen und Verordnungen desReiches keine Bedeutung, sondern ist auch, da Reichsrecht demLandesrecht vorgeht, auf die Gesetze und Verordnungen des Einzel-staats insoweit unanwendbar, als die Grenzen der Zuständigkeit derLandesgesetzgebung im Verhältnifs zur Reichsgesetzgebung in Fragekommen. Auch der preufsische Richter hat daher eine gehörig ver-kündete königliche Verordnung als nichtig zu behandeln, wenn ersich überzeugt, dafs sie dem Reichsrecht widerspricht.
Eine ältere Meinung, die auch heute Anhänger zählt, erblicktin dem Satz der preufsischen Verfassungsurkunde den Ausdruck einesgemeingültigen Prinzips des deutschen Staatsrechts und verneint da-mit grundsätzlich überhaupt den Beruf des Richters zur Prüfung desverfassungsmäfsigen Zustandekommens der Gesetze 43 . Doch hat diedeutsche Rechtswissenschaft sich in der Mehrzahl ihrer Vertretei' stetszu Gunsten des richterlichen Prüfungsrechtes ausgesprochen 44 . Ebenso
Wortlaut die Prüfung des Vorhandenseins der ständischen Zustimmung den Ge-richten vorzubehalten scheint). — Das Oesterr. Staatsgrundges. Art. 7 untersagt denGerichten „die Prüfung der Gültigkeit gehörig kundgemachter Gesetze“, wahrtihnen dagegen die Entscheidung „über die Gültigkeit von Verordnungen“; vgl.Pfaff u. Hofmann, Komm. I 132 ff.
43 Vgl. lies. Linde, Arch. f. c. Pr. XVI 305 ff.; Bischof, Z. f. C.R. u.Pr. N. F. XVI 235 ff, 385 ff., XVII 104 ff, 253 ff, 448 ff., XVIII 129 ff, 302 ff,393 ff.; Martin, Der Umfang des landesrichterlichen Prüfungsrechts u. s. w.,Celle 1865; Bölilau, Meckl. L.R. I § 50 (jedoch mit abweichendem Ergelmifs fürBundesgesetze). Ferner innerhalb der Tragweite seiner Lehre, dafs die „Promul-gation“ eine unanfechtbare Konstatiruug des verfassungsmäfsigen Zustandekommenssei, Laband, Staatsr. I 551 fl.; ebenso Zorn, Staatsr. I 116, und mit erweiterterBegründung (unter willkürlicher Hineinlegung eines Rechtsprechungsaktes in die„Sanktion“ oder „Ausfertigung“) Jellinek a. a. 0. S. 396 ff. Aehnlich auchSeydel, Bayr. Staatsr. III 551 ff. — Weitere Gegner des richterlichen Prüfungs-rechts führt G. Meyer, Staatsr. § 173 Anm. 3 u. 5 an.
44 Vgl. bes. K. S. Zachariae, Arch. f. c. Pr. XVI 142 ff.; Gneist in denVerh. des IV. deut. Juristent. I 212 ff; G. Planck, Jahrb. f. Dogm. IX 288 ff;Gierke in Schmollers Jahrb. VII 1187 ff; S. Brie, Arch. f. öff. R. IV 53 ff;E. Meier s. v. „Prüfungsrecht“ in Iloltzendorffs Rechtslexikon. — ILA. Zacha-riae, Staatsr. II § 175 Anm. 11; II. Schulze, D. Staatsr. I § 200; Gerber,Grundzüge des deut. Staatsr. (3. Aufl. 1880) § 49; G. Meyer, Staatsr. § 173;Sarwey, Württ. Staatsr. II 99 ff.; Arndt a. a. 0. S. 215 ff; Rosin a. a. 0.S. 188 ff. — Puchta, Pand. § 15; Windscheid, Pand. § 14 Anm. 2; Dern-burg, Pand. § 25; Regelsberger, Pand. I § 34. — Beseler, D.P.R. § 19;Stobbe, D.P.R. § 26 II; Roth. D.P.R. I § 48; Geugler, D.P.R. § 9 S. 18;