Druckschrift 
1 (1895) Allgemeiner Teil und Personenrecht
Entstehung
Seite
66
Einzelbild herunterladen
 

66 Drittes Kapitel. Quellen, Hiilfsmittel u. Litteratur des deut. Privatrechts.

wieder abgeschafft 9 . Andere stellen noch heute in Kraft. So geltenauf gemeinrechtlichem Boden zahlreiche ältere Stadtrechte in denthüringischen Staaten 10 , in Bayern * 11 , in Hannover 12 , in Schleswig-Holstein 13 , in Braunschweig 14 ; hervorzuheben sind ferner das Stadt-recht von Lauenburg von 1599, das Stadtrecht von Wimpffenvon 1775 und die mecklenburgischen Stadtrechte, unter denen dasvon Rostock im Jahre 1757, das von Wismar sogar noch 1875neu redigirt ist 15 . Auch im Gebiete des preufsischen Landrechtsaber gehören solche Statutarrechte noch zu den geltenden Rechts-quellen 10 .

B. L a n d r e c h t e. Nach dem Vorbilde der Stadtrechts-reformationen wurden seit dem Anfänge des 16. Jahrhunderts invielen Territorien Landrechte verfafst, um das heimische Recht inmodernerer Gestalt zu kodifiziren, neu entstandene Verhältnisse zuregeln, römischrechtliche Institute dem territorialen Bedürfnii's anzu-passen, Streitfragen zu entscheiden und die Rechtseinheit zu fördern.Bisweilen wurden auch einzelne Theile des Privatrechts in den im

9 So wurde das Braunscliweiger Stadtr. v. 1532 (bei Pufendorf a. a. 0. IVapp. p. 78 u. im Urkb. der Stadt Braunschweig Kr. 137 S. 298) im J. 1675 wiederaufgehoben. Durchweg beseitigt sind die Statutarrechte nicht blos in den Gebietendes französ., österr. u. sächs. Gesetzbuchs, sondern auch in manchen gemeinrecht-lichen Ländern (z. B. in Württemberg) und in mehreren landrechtlichen ProvinzenPreufsens.

10 Statuten v. Altstedt 1565, Apolda 1661, Bürgel 1567, Eisenach 1670, Jena1677, Lobeda 1644, Weimar 1590 in Sachsen-Weimar; Meiningen 1565, Wasungen1561, Themar 1629 in Sachsen-Meiningen; Altenburg 1555, Eisenberg 1610,Schmölln 1602, Orlamünde in Sachsen-Altenburg; Gotha 1579, Ohrdruff 1591,Coburg 1616 in Saclisen-Coburg-Gotha; Arnstadt 1543, Sondershausen 1555, Greufsen1556 in Schwarzburg-Sondershausen; Rudolstadt 1595, Blankenburg 1594, Ilm 1596,Lautenberg 1611, Teuchel 1611, Königssee 1723, Frankenhausen 1558 in Schwarz-burg-Rudolstadt; Schleiz 1625, Gera 1658 in Reufs. Vgl. Roth I 179, 184, 188,192, 194, 208, 212, 217.

11 So die Statuten v. Ingolstadt 1541, Nördlingen 1650, Ulm 1683, Schwein-furt 1724; Roth I 126, 128, 131.

12 So die Statutarrechte v. Hannover, Eimbeck 1658, Usterrode 1733, Celle1537, Harburg 1739, Otterndorf 1541, Verden 1582, Peine 1597; Roth I 93, 94,95, 97, 99.

13 Z. B. Stat. v. Husum 1608, Friedrichsstatt 1633, Eckernförde 16321635;Roth I 80, 84.

14 Stat. v. Wolfenbüttel 1602, v. Helmstadt 1589; Roth I 170.

15 Vgl. Roth I 91, 151, 156157.

10 Vgl. z. B. über das auf Magdeburger Grundlage entwickelte StettinerStatutarrecht Kosmann, Statutarrecht der Stadt Altstettin, Stettin 1845; über dieStadtrechte in den landrechtlichen Gebietstheilen Bayerns lloth I 134136.