404 Buch III. Viertes Hauptstück.
sich die katholische Liga erhoben, welche des staatsklugen Maxi-milian von Baiern Lhätigkeit mit fester Hand zu dem nmihm ganz bekannten Ziele über alle im Wege stehende Schwie-rigkeiten hinleitet. Sie ist nicht für den Kaiser, sondern fürdie katholischen Neichsfürstcn; sie bildet eine eigene, selbststän-dige Macht, welche vom Hause Österreich mit Argwohn bc- itrachtet wird, demselben zwar später beisteht, weil durch Öster-reichs Fall der Triumph der Evangelischen entschieden wordenwäre, allein eben so wenig zum Nachtheile der Neichsfreiheitdes Kaisers Gewalt zu hoch steigen lassen will. Der Kaisersucht seine Macht unabhängig von der Liga zu gründen. Er ^hätte sie gern aufgelöst oder dienstbar gemacht und als Werk-zeug für seine Zwecke gebraucht; alle List scheitert aber anMaximilians Scharfsinn und Schlauheit'). Dagegen kannder Kaiser auf Unterstützung des Papstes, auch Spaniens rech-nen, welches bei dem günstigen Wechsel der Umstände von ihmBeistand gegen die evangelischen Niederländer hofft, diedagegen gemeinschaftliches Interesse mit den Protestantenhaben. Hiedurch wird das Schicksal der jülichschen Länderbestimmt. Der katholische König Sigismund III. von Po-len , der Schwestermann des Erzherzogs Ferdinand, ist mitdem Kaiser im Bunde (seit 1613), wird aber nach vortheil-1618 Hafter Beendigung seines russischen Kriegs, wegen seiner An-sprüche auf die schwedische Krone, mit seinem evangelischenVetter, dem eben so kriegslustigen als hochherzigen GustavAdolph, in einen gefährlichen Krieg verwickelt, welcher auchPreussen bedrohet. Eifersüchtig auf Schweden betrachtet Chri-stian IV. von Dänemark jeden Schritt Gustavs; zusammenwerden Beide niemals gehn, denn ihre Wege führen sie ausoder gegen einander; bald werden auch sie verwickelt in diedeutschen Angelegenheiten, und nun wird die Verwirrung im-mer größer. So sind unsere Länder in ihrer großen Ausdeh-nung an beiden Enden von verschiedenartigen, ihnen ursprüng-lich fremden Einflüssen bedrohet, und gewiß bedurfte es einerungewöhnlichen Kraft und Thätigkeit, um bei dem gewaltsa-men Zusammenstößen der großen Mächte nicht völlig zu er-
1) Siehe Stumpfs Geschichte der deutschen Liga.