Nächste Ursachen des 30jahr. Kriegs. 383
mahlin nunmehr Schwager des Erzherzogs, spater Kaisers Fer-dinand, des Herzogs Maximilians von Baicm, des Hauptsder Liga, und des Kurfürsten von Köln, in der Mitte derjülichschen Lander, konnte er dem Verdachte nicht entgehen,seine Religion aus Staatsrücksichten geändert zu haben, umsich den mächtigen Beistand der Katholiken für die Behaup-tung der jülichschen Erbschaft zu sichern.
Zu derselben Zeit trat der bisher lutherische Kurfürst vonBrandenburg zur rcformirten Kirche über, und indem er da-durch die Zuneigung der vielen Rcformirten im Jülichschengewann, auch von den reformirtcn Generalstaatcn kräftig un-terstützt wurde, konnte er so wenig als der Pfalzgraf demVerdachte eines Religionswechsels aus weltlichen Rücksichtenentgehen ').
In Preuffen, Pommern, Schlesien und in den Markenwaren bis jetzt die -Rcformirten sehr hart behandelt, von allenÄmtern ausgeschlossen oder derselben entsetzt, ja aus dem Landeverbannt worden. Der durch eifrige lutherische Geistliche ent-flammte Religionshaß der Fürsten und des Volks gegen dieReformirtcn war unglaublich groß und wurde immerfort ge-nährt durch das Wittern und Aufsuchen von Ketzereien, wasselbst oft bei Privatfeindschaften Gelegenheit zur Rache gab.In Preuffen hatte sich der Bischof Heshusius, einer der zank-und herrschsüchtigsten Menschen die cs gegeben und der auchdeshalb aus Magdeburg mit Gewalt vertrieben worden war,im Streite gegen die Rcformirten des Ausdrucks concretund abstract bedient. Dieses wurde von seinen zahlreichenFeinden aufgcgriffen, als Ketzerei ausgelegt und das Volk vonden Kanzeln herab aufgcreizt, daß es Parteien bildete, dieeinander mit keinem großem Schimpsworte als abstract undconcret belegen zu können glaubten ^). Selbst Männern inden höchsten Staatsämtern wurden einzelne unvorsichtige Äusse-
1) Herings historische Nachricht von dem ersten Anfänge der rc-formirtcn Kirche in Brandenburg, ist mein Hauptführer, übrigens auchein Buch, aus welchem sich selbst für die Geschichte unserer Tage man-cherlei lernen, wenigstens der Wechsel der Meinungen über einige wesent-liche und unwesentliche Dinge erkenne» lässt.
2) Hartknoch preusstsche Kirchen-Historie, S. 46t ff.