Vom Religionskrieg bis zum 30jähr. Krieg. 335
Georg in seiner Visitations - und Consistorial-Ordnung'):Die Visitatoren sollen auch sehn, wie sich jeder Pfarrer halte,ob Jemand Zauberei und Abgötterei treibe. Zu Pfarrernsollten nicht, wie bisher geschehn, Schneider, Schuster oderandere verdorbene Handwerker und Lediggänger, die ihre Gram-maticam nicht studirt, viel weniger recht lesen können, unddie, weil sie verdorben und nirgends hinauswissen, Pfaffenwerden, sondern vorzüglich die in Frankfurt studirt haben, ge-nommen werden.
Der Adel hatte freilich ebenfalls die Klöster zum Theilebegabt und machte nun Ansprüche auf dieselben, setzte dasauch in Pommern durch, wo ihm einzelne Vortheile gelassen,und in Brandenburg, wo ihm viele Klöster ganz übergebenwurden.
Um dem Mangel an Lehrern abzuhelfen, musste auf bes-sere Einrichtung der Schulen gesehn werden, deren Verfallimmer fühlbarer wurde. Aus der Mark begaben sich vieleJünglinge in Jesuitenschulen, weshalb die Kurfürsten Joachimund Johann Georg, denen besonders an Verbesserung desSchulwesens in ihrem Lande lag, dem entgegenarbeitetcn,und in Brandenburg schon verboten wurde Andere als diein Frankfurt studirt hatten anzustellen. Die höheren Lehran-stalten litten ungemein durch die heftigen, bis zum Ausbrucheder Rohheit getriebenen Streitigkeiten der Theologen, inFrankfurt durch den Streit über den Werth und die Noth-wendigkeit der guten Werke; in Königsberg über die Kraftdes Worts und der Sacramente an sich, ohne den Glauben,über die Buße und dergleichen Gegenstände mehr. Die Ei-nen hielten so fest an Luthers Worten wie die Katholikenan den Aussprüchen der Kirchenversammlungen; die Anderenwaren der Meinung, auch Luther könne geirrt oder sich nichtrichtig ausgedrückt haben. Sie verketzerten und verfolgteneinander aus die schonungsloseste Weise.
In Königsberg besonders wurden diese Streitigkeiten sogefährlich, daß Aufruhr, Mord und Todtschlag zu befürchtenwar. Sie verwickelten die Lage des Herzogs, die ohnehin
1) Mylius, Bd. I. S. 277.