Vom Religionskrieg bis zum 30jahr. Krieg. 329
großem Ausdehnung des kaiserlichen und Beschränkung ihreseigenen Ansehns, wozu Karl V. sich bei mehrern Angelegen-heiten geneigt zeigte. Es war also bei dem Verharren aufder betretenen Bahn nur mehr zu verlieren als zu gewinnen.Ferner musste ihn das Verfahren Karls gegen Philipp vonHessen kranken und daß dieser, sein Schwiegervater, in engemGewahrsam mit dem Hofe herumgcsührt wurde. Dazu klag-ten die Söhne Philipps laut über die Gewahrleister der Frei-heit ihres Vaters, über die Kurfürsten Moritz und Joachim,und andererseits war Moritz als Protestant erzogen, seine Un-terthanen wie ganz Norddcutschland der Reformation ergeben.Er wurde überall als ein Abtrünniger und Verräther an derheiligen Sache der Religion und an seinem eigenen Vetter,dem unglücklichen, aber redlichen Johann Friedrich, angesehn.Der ungebandigte Eifer der Geistlichen ergoß sich in Schmä-hungen über ihn auf Kanzeln und in öffentlichen Schriften.Er hätte ganz gefühllos sein müssen, wenn er nicht wäredurch diese öffentlichen Zeichen eines allgemeinen Hasses undArgwohns gekränkt worden. Nun zeigte sich ein Weg, nichtnur die hohe Stelle die er errungen hatte zu behaupten,sondern auch den schwarzen Fleck des Verraths an der Sacheder Religion völlig zu tilgen und sich glänzende Verdiensteum seine Glaubensgenossen zu erwerben. Die Stimmungseiner Nachbarn begünstigte ihn. König Ferdinand wolltenicht wegen seines Neffen Philipp seine eigenen Kinder umdie Nachfolge im Reiche bringen und war höchst wahrschein-lich so weit im Einverständnisse mit Moritz, daß er nicht se-hen wollte, was dieser that. Der Kurfürst Joachim wurdeebenfalls durch die Auffoderung der Söhne Philipps bedrängt,für dessen Freiheit er sich verbürgt hatte, und seine Vorstellun-gen beim Kaiser blieben unbeachtet. Auch war wegen Her-zog Albrechts in Preussen zu fürchten, und er hatte bereits ge-nug zu thun seinen Bruder Johann abzuhalten, daß dieser derStadt Magdeburg nicht zu Hülfe zog. Ohne sich offen gegenden Kaiser einzulasscn, vertrug er sich daher auf den Rathseines Kanzlers Distelmeyer mit Moritz, die Stadt Magde-* bürg nicht zu verderben, sondern wo möglich zu erhalten, un-terstützte wie der Herzog Albrecht von Preussen mit Geld sei-