Vom Religionskrieg bis zum 30jähr. Krieg. 325
Protestanten gegen das Interim sehr eiferten, so wurde esdoch von den angesehnsten lutherischen Fürsten, wenn auchin etwas gemilderter Form, angenommen. Besonders zeigtesich der versöhnliche und vom Aufsersten gern entfernte Kur-fürst Joachim II. von Brandenburg dafür geneigt. Dochwar der Widerspruch der Geistlichen seines Landes so lebhaft,daß Joachim sich auch hier gleich blieb und Alles nach Belie-ben der Prediger und des Volks gehen ließ, sodaß man nichteigentlich sagen konnte, das Interim sei verworfen, noch we-niger, es sei angenommen. Geradezu widersprach dem In-terim auf dem Reichstage zu Augsburg 1550 sein Bruder,Markgraf Johann, welcher den Kaiser an die von ihm gelei-steten Dienste und an das Versprechen vollkommener Sicher-heit der Religion erinnerte, aber auch noch am Abend dessel-ben Tages von Augsburg abrcisen musste.
Joachims Lage sing nun an verwickelter zu werden, daer seinen Vetter, den Herzog Albrecht von Preussen, wegender Acht, sich selbst bei der Erbverbrüderung in Schlesienbeeinträchtigt und wegen der Verbürgung für Philipp vonHessen gekrankt sah. Es war sehr vortheilhast für ihn, daßer um diese Zeit (1550) einen tüchtigen, staatsklugen, erfahr-nen Rath, den Lampert Distelmeyer, in seine Dienste zog undbald nachher zum Kanzler erhob. Als solcher leitete Distel-meyer viele Jahre hindurch die Staatsgeschäfte eben so ge-schickt als thätig und treu. Er war ein geborner Leipzigervon bürgerlichem Herkommen, hatte die Rechte studirt, Staats-geschäfte am Hofe des Moritz von Sachsen kennen gelernt,und sich dann als Lehrer des römischen und des deutschenStaatsrechts in Leipzig so ausgezeichnet, daß er Anträge zumDienste von mehreren Fürsten, auch vom Kaiser erhielt, alleindurch den Eustach von Schlicken, Hauptmann zu Zossen, be-wogen wurde in brandenburgische Bestallung zu treten; dennJoachim begegnete seinen Räthen freundlich und achtungsvoll,belohnte sie auch freigebig. War er doch fast bis zur Schwächegütig und nachgiebig. Es ist nicht zu bezweifeln, daß Bran-denburg es hauptsächlich der Geschicklichkeit Distelmeyers ver-dankt, daß es sich in so sehr schwierigen Zeiten doch im Frie-den und mit Glück behauptete, was um so wichtiger war, da