324 Buch III. Zweites Hauptstück.
entgegen, daß er wahrscheinlich seinen Thron verloren habenwürde, wenn die Protestanten gesiegt hätten. Jetzt strafte erdie Widerstrebenden streng, theils am Leben theils an ihrenGütern. Schlesien muffte sich glücklich schätzen seine Schuldmit großen Geldsummen abkaufen zu können. Wurde es dochder Stadt Breslau besonders hoch ungerechnet, daß sie keineFestlichkeiten wegen der Niederlage ihrer Glaubensgenossenbei Mühlberg angestellt hätte. Der König Ferdinand vernich-tete nun auch die Wahlfreiheit der Böhmen und Schlesierund ernannte seinen Sohn Maximilian zum Nachfolger. Umdas Eindringen und die weitere Verbreitung des Lutherthumszu verhindern, ließ er alle Druckereien in Schlesien schließenund gestattete nur den Gebrauch einer derselben in Breslau,wo jedoch durchaus Nichts ohne Genehmigung des Bischofs vonBreflau gedruckt werden sollte'). Er würde wohl noch wei-ter gegangen sein, wenn er nur nicht mit seinem eigenenBruder, dem Kaiser Karl V., in Zwist gerathen wäre. Die-ser suchte nämlich seinem Sohne Philipp die römische Kö-nigswürde zu verschaffen, welche jedoch niederzulegen Ferdi-nand nicht geneigt war. Die Reichsfürsten, welche der Stolzdes finstern Philipp beleidigte, wollten auch nicht darauf cin-gehn, ihm nach Ferdinands Tode die römische Königswürdezuzusichern, weil ohnehin Deutschland schon einem Erbreicheähnlicher als einem Wahlreiche war. Der Kaiser konnte,so sehr er sich auch bemühete, seinen Zweck nicht erreichen,aber der durch die Umtriebe der spanischen Näthe seines Bru-ders in Verlegenheit gesetzte Ferdinand näherte sich den Pro-testanten und wollte gewiß von mancherlei Vorgängen nurkeine Kunde nehmen, obgleich sie ihm nicht unbekannt blei-ben konnten.
Während nämlich der Kaiser sehr bemüht war die Wie-dereröffnung der tridentiner Kirchenversammlung zu bewirken,um der Unterdrückung der Protestanten eine gesetzliche Formzu geben, wurde ihm Gefahr von einer Seite her bereitet,wo er es am wenigsten besorgt hatte und während er glaubteseines Siegs völlig gewiß zu sein. Obgleich Katholiken und
1) Handschriftliche Nachricht.