Die Reformation bis zum Religionskriege. 309
von den Fürsten cingczogen; und wenn auch Manches verlo-ren ging oder wohl selbst verschwendet wurde, so kann mandoch auch nicht leugnen, daß Vieles verwendet worden ist, umPfarrer besser zu besolden, hauptsächlich aber, um Schulenzu gründen oder gut auszustattcn, wozu Luther so kräftigermahnt hatte.
Indem durch die Reformation das Bedürfniß höhererwissenschaftlicher Bildung und tüchtiger Lehrer allgemeiner fühl-bar wurde, so betrachtete man den Zustand der Schulen alsim tiefen Verfalle. Zur Verbesserung hatte in Breslau dertreffliche Valentin Fricdland, von Trozendorf bereits (1525)angeregt; der Landeshauptmann Hieronymus Hornig wirktemit dem Magistrate thätig, und so erhielten die beiden altenberühmten Schulen, zu St. Elisabeth und Maria Magdalena,eine neue zeitgemäße Einrichtung. Das Griechische sing jetzterst eigentlich an hier gelehrt zu werden. Sehr ausgezeichnetwirkte Trozendorf, der als Rector die Schule zu Goldbergin hohe Blüthe brachte, daß sie die berühmteste in Schlesienund der Nachbarschaft wurde').
In Preussen stiftete Herzog Albrccht ein Pädagogiumund (1543) die Universität zu Königsberg, deren erster Rectorder berühmte, von Frankfurt nach Preussen gezogene GeorgSabinus war. Da sich keine päpstliche Bestätigung erlan-gen ließ, so begnügte man sich mit der König Sigismundsvon Polen (1560), wodurch Königsberg alle Rechte der Uni-versität Krakau und zu Promotionen in allen Facultätcnausser der theologischen erhielt.
Die Universität in Greisswalde war vor der Reformationbereits so verfallen, daß nur drei Professoren und zweihundertFloren Einkünfte übrig waren. Herzog Philipp I. richtetesie wieder auf, berief Lehrer, gab ihr (1539) neue Statuten,vermehrte ihre Einkünfte bis auf fünfzehnhundert Gulden undstiftete eine Speisung für arme Studenten.
Joachim II., als Freund der Wissenschaften, suchte mitAnstrengung die sehr gesunkene Universität zu Frankfurt wie-
1) Bergl. Trozendorf und seine Schule in Goldberg von A.Otto in Hoffman ns Monatschrift für Schlesien S. 209. Er hießeigentlich Fricdland und war in Trozendorf, bei Görlitz, geboren.