Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

Die Reformation bis zum Religionskriege. 299

tigkciten welche aus der Reformation entsprangen und denGang welchen sie sehr frühzeitig nahm überschn, so drängensich uns hier wie späterhin folgende Betrachtungen auf, dieman nicht oft genug in der Geschichte bemcrklich machen kann.Es bewahrte sich nämlich an der Reformation dasselbe, waswir an der katholischen Kirche wie an den Mönchs- undRitter-Orden wahrgenommen und als gemeinschaftliches Schick-sal menschlicher Einrichtungen bezeichnet haben. Wir meinennicht die einzelnen Unvollkommenheiten, welche hier und dortSchatten auf dieses mit so vielem Rechte gefeierte Ereignißund auf einzelne Menschen warfen, welche uns eben rechtgroß erscheinen, weil sie sich nicht als Heilige darstcllten, son-dern nur als brave, rechtschaffene Männer, deren Schwächenwir nicht zur Schau stellen wollen, ohne zu zeigen, wie vielgrößer ihre Tugenden waren; vielmehr bemerken wir im All-gemeinen erstlich, daß die Reformatoren ganz natürlich nichtverleugnen konnten Katholiken gewesen zu sein und deshalbeben, wie sie von dorther gewöhnt waren, nur selbst eineErklärung als die einzig richtige, ja als die einzige zumHeile führende, jede andere als vcrdammungswürdig aussiell-tcn, daß sie also eben wie die katholische Kirche den freienmenschlichen Geist durch Formeln in Fesseln schlugen. Mandarf dagegen nicht cinwcrfen, daß Zeit und Umstände zurAussetzung eines bestimmten Glaubensbekenntnisses nöthigtcn,was die Reformatoren thcils rechtfertigt thcils entschuldigt;denn wir klagen sie nicht an, sondern stellen dar, um zu zei-gen, wie verwandt hier im Grunde Zeiten und Ideen sind,die sehr verschieden erscheinen, und wie verschieden beide sind,wo sic sehr ähnlich zu sein scheinen. Wollte man dagegen be-merken, daß die evangelische Kirche in ihrem Glaubensbekennt-nisse ihre Lehre nicht die allein seligmachende nenne, so mögeman nicht vergessen, unter welchen Umständen die augsburgi-schc Confcssion übergeben wurde, um zu begreifen, daß eine öf-fentliche Ausschließung der Altgläubigen von der Seligkeit einenothwendig große Erbitterung hätte erregen müssen. Ausser-dem ist aber natürlich die Meinung der Reformatoren von demallein seligmachendcn Glauben, den sic hatten, gewiß nichteben sehr verschieden von dem der katholischen Kirche gcwe-