298 Buch III. Erstes Hauptstück.
der Auffassung der Einsetzungsworte des Abendmahls, in-dem er sich darin den Begriffen Zwinglis näherte. Er wollteüberhaupt kein in Wortformen gezwängtes Glaubensbekennt-nis vielmehr strengen und unsträflichen Wandel. Lutherkonnte ihn nicht überzeugen irrige Ansichten zu haben, undwendete sich nun mit aller Kraft die in ihm war gegen den,dessen Lehre er für gottlos hielt. Schwenkfcld und seine An-hänger wurden daher überall hart verfolgt '). Den Katholi-ken konnten solche Spaltungen nur erfreulich sein, weil fürsie dadurch die Unreife des menschlichen Geistes bewiesenwurde, welcher nach ihren Ansichten nie zur Reife gedeihenkonnte. Es zeigte sich aber hier eben die Natur des imMenschen erwachten Geistes dadurch, daß er sich, einmal ent-fesselt, nach sehr verschiedenen Richtungen hin frei bewegenund keinen äusscrn Zwang überhaupt mehr anerkennen wollte.
Die Verbreitung der Reformation in unseren Ländernwurde aber nicht nur auffallend schnell und öffentlich, sondernauch wieder öfters ganz unmerklich bewirkt, wo nämlich äus-sere Verhältnisse, besonders die Landesherren, dieses nöthigmachten. Die Geistlichen verrichteten den Gottesdienst, äus-scrlich ohne von dem alten Kirchcnglauben förmlich abzugehn,und änderten nach und nach mit Zustimmung ihrer Gemeindendoch soviel ab, daß wenig vom Alten übrig blieb. Der Ge-nuß des Abendmahls unter beiderlei Gestalt entschied damalsnoch nicht durchaus eine völlige Trennung von der katholi-schen Kirche, obgleich das in der Regel so angenommen wurde.Die Landesherren durften bei der allgemeinen Gahrung nichtzu streng sein, weil sie Aufruhr vermeiden mussten, undwaren katholischerscits zufrieden, wenn nur keine förmlicheTrennung entstand. Sie hofften bei günstiger Zeit Alleswieder in das alte Gleis zu bringen. So geschah es in meh-reren Theilen Schlesiens und im Brandenburgischen; doch warder Erfolg verschieden.
Wenn wir die allgemeine Gährung der Ideen, die Strei-
1) Ehrhardts Prcsbyterologtedcsevangclischen SchlesiensBd.lv.S. 37 zeigt, wie rechtgläubige Lutheraner noch im Jahre 1789 glaubtenüber Schwenkfeld schreiben zu müssen. Dieser Band ist dem Herrnvon Wdl liier gewidmet.