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Buch III. Erstes Hauptstück.
sen, und hat sich wohl erst spater bei den Protestanten mil-der gestaltet. Ferner, indem die Reformatoren und ihre An-hänger die Freiheit der Forschung ohne Anerkennung mensch-lichen Anschns in Anspruch nahmen, wollten sie dieselbe dochbei Andern nicht gelten lassen, welche weiter gingen, als siefür Recht hielten; sie wollten eine unbeschrankte Herrschaftüber diese üben, wahrend sie dieselbe über sich unerträglichfanden. Diese Jnconsequenz war nicht Betrug, sondern un-bewusste Selbsttäuschung von der Vollkommenheit oder dochüberwiegenden Vortrefflichkeit ihrer Meinungen. Endlich aber,und dieses ist die Hauptsache, wurde über Worte und For-men der Geist zu früh fast ganz und gar vergessen. Manhasste, schmähete, verfolgte, man hasst, schmähet und verfolgteinander bei des Heilands Worten: das thut zu meinem Ge-dächtnisse. Es ist zuletzt die Glaubenslehre aller Kirchendurch diese Streitigkeiten um Unwesentliches so gleichmäßigunfruchtbar geworden, daß sich aus ihnen wenig herausgestal-tcte zur christlichen That. Das Misverständniß über dieNothwcndigkeit und den Werth der guten Werke hat gewißnicht wenig Übeles gestiftet und namentlich zu traurigen Spal-tungen Veranlassung gegeben. Fragt man nun, wie viel dennder Protestantismus die Menschheit eigentlich gefördert habe,so ist die Antwort: um nicht wenig, gewiß nicht! allein esging ihm wie dem Christenthume überhaupt. Solange manan Worten klebte, um Worte stritt, um den Sinn stritt, umden Geist stritt, so that man eben Etwas zu Gottes Ehre,indem man Nichts that und der Liebe für unsere Brüder undder Pflichten gegen Menschen sich enthob. Wenn wir die,man möchte beinahe verzweifelnd sagen, an aller edlen Gesin-nung und Handlung so unfruchtbaren Jahre der befestigtenReformation betrachten, so sehen wir, daß das praktische Chri-stenthum hier eben so niederlag wie in der katholischenKirche, bis es in der neuen Zeit geweckt wurde.
Nachdem auch Pommern (1534) völlig reformirt wordenwar, stand in unseren Ländern nur noch Joachim I. fest undhartnäckig bei dem alten Glauben. Wir haben die Charakter-festigkeit dieses Fürsten bereits in seinem strengen Verfahrengegen den Adel kennen gelernt und finden ihn hier in allen