Die Reformation bis zum Religionskriege. 297
der Abwesenheit des Fürsten bis zu dessen Rückkehr zu beru-higen, wobei der Adel versprach sich nicht zu rächen und denBauern keine neuen Lasten aufzulegcn. So gingen diese, nochche eine Woche verfloß, ruhig auseinander. Als der Herzog imHerbste nach Preussen kam, nahm der Adel durch ihn Rache anden unglücklichen Landleuten, ohngeachtet sie sich ergaben; drei-zehn wurden hingerichtct, viele gefangen gehalten, die meistenmit Geldstrafen belegt. Auch hier zeigte sich die Milde des Her-zogs wie seine Schwache. Er berief einen Landtag, um diegerechten Beschwerden der Bauern abzustellen. Der Adelkonnte sich hier weniger mit altem Rechte vertheidigen als ir-gendwo, deshalb erregte er des Fürsten Argwohn gegen dieStädte und bewilligte dem geldarmen Herrn eine fünfjährigeLranksteucr, welche die Bürger besonders traf. Nun hatteder Adel freie Hand, er drückte den Bauer von dessen altenGerechtsamen ab, wie das auch des Fürsten Amtleute thaten.
Die Reformation wurde noch in diesem Jahre (1526)völlig durchgesetzt, das überflüssige Kirchcnsilber, zwölftausendachthundert Mark, dem Herzoge übergeben, und die letztenwenigen Bekenner der alten Kirche verliessen Ostpreusscn ').
Ausser diesen Ereignissen gab die Reformation auch Ver-anlassung theils zu überspannten, theils zu sehr nüchternen,dem ruhigen Verstände zusagenden, religiösen Ansichten, welchedaher beiderseits, sowohl von den Lehren der Reformatorenals der alten Kirche abwichen und von beiden verfolgt wur-den. Von der gefährlichen Schwärmerei der damaligen Wie-dertäufer blieben zwar unsere Länder frei, indem sie nur inOstpreusscn einige Anhänger fand; doch erhielt ein Edelmannaus einer alten adeligen Familie Schlesiens, Kaspar vonSchwcnkfeld, in seiner Heimath wie auch in Polen undPrcus-sen einen nicht unbedeutenden Anhang, der noch jetzt nichtganz verschwunden ist. Schwcnkfeld, der anfänglich für Lu-thers Reformen sehr eingenommen war und dieselben in Schle-sien thätig befördert hatte, wich doch bald von ihm in meh-reren Meinungen ab, z. B. von der Verdienstlichkeit der gu-ten Werke, von der Freiheit des Willens, besonders aber in
1) Baczko, Geschichte Preusscns Bd. IV. S. IS7.