2!X> Buch III. Erstes Hauptstück.
reu unglücklichen Vater unter dem Vorwände des Wahnsinnsgefangen gesetzt und selbst nie genug Geld für ihre Ver-schwendung hatten, durfte er Nichts erwarten als einen wohl-feilen, guten Rath. Er war daher in solcher Verzweiflung,daß er seine Würde dem Herzoge Erich von Braunschwcigabtrctcn und in französische Dienste gehn wollte, als ihmmehrere polnische Große riethcn sein Amt in die Hände ih-res Königs zu geben, der ihn dann mit Land, Leuten undDicnstgcld wohl versorgen würde'). Dieses mag zuerst fürAl-brccht Veranlassung gegeben haben über eine völlige Verän-derung seiner Lage nachzudenken. Es kam-dazu, daß er sei-nen Bruder Georg und den Herzog Friedrich von Liegnitzder Reformation geneigt fand. Eine Unterredung mit demfeurigen Oslander machte tiefen Eindruck auf ihn, und auchmit Spalatinus, dem Hofprediger Friedrichs des Weisen, undmit Luther in Wittenberg wurde er nun bekannt. Luther hattebereits in einer öffentlichen Schrift (1523) den Orden auf-gcfodcrt das Gelübde der Ehelosigkeit fahren zu lassen, wo-durch eine gänzliche Umwandlung des Ordens hätte hcrbeigc-führt werden müssen. Er redete dem Herzoge unumwundenzu, den Orden aufzugcbcn, welcher gegen Gottes Gebot wäre,sich zu vermählen und ein weltliches Fürstcnthum in Preusscnzu gründen. Albrccht lächelte, als er das horte, und mochte sichnicht deutlich erklären. Ebenso wie Luther rieth ihm Mclan-chthon und sein Bruder Georg. Er gab nun die Sache Chri-stians II. von Dänemark, der ihn so schändlich hintergangcnhatte, auf und trat in Verbindung mit dessen Gegner, demKönige Friedrich II., um dessen Tochter er sich für seinenBruder Georg bewarb.
Zu gleicher Zeit wurde in Preusscn, wo sich bereits seitmchrern Jahren Anhänger Luthers befanden, die Reformationdurch den Statthalter, den Bischof von Samland, Georg vonPolenz, den ersten Bischof der zu ihr übertrat, öffentlich ver-breitet. Nun verließen auch hier Mönche und Nonnen ihre Klö-ster, Ritter den Orden, heirathcten und traten in den Kreiseines thätigcn LebcnS. Auch die damaligen Bischöfe von Er-
1) Beiträge zur Kunde Preußens. Bd. IV. S. 81.