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1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
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Reformation, zu welcher sich die meisten Bewohner des Lan-des bereits bekannt hatten, und der treffliche Bugenhagen, desganzen Pommerlandes Ehre und Ruhm, wurde seines Landeszweiter Apostel ^). In Westprcussen wurde Danzig ein star-ker Mittelpunkt für die Anhänger der neuen Lehre.

Wenn wir uns nun nicht eben wundern, daß die gebil-deteren Elasten sich unschwer zu einem gereinigten Glaubenbekennen konnten, so muß es doch auffallend erscheinen, daßdie ungebildete Menge, in den Städten wie auf dem Lande,so leicht und durchaus freiwillig die alte Religion nicht nuraufgiebt, sondern selbst verwirft, verspottet, in den Koth tritt,was es kurz vorher wenigstens äusserlich noch verehrte undfür heilig hielt. So viel ist wenigstens aus dem Gesagtengewiß, daß die Masse nicht dem Beispiele der Fürsten folgte,denn diese mochten nun für oder gegen die Reformation sein,so wirkte das durchaus nirgend entscheidend ein. Zuvörderstmuß man erwägen, daß die Verehrung vieler für heilig ge-haltenen Dinge bereits vor der Reformation auch bei demPöbel ungemein gefallen, und daß sie eben oft nur nochäusserlich vorhanden war; ferner ist es natürlich, daß derMensch leicht vom Äußersten zum Ausserstcn übergeht und be-sonders bei Gegenständen früherer Hochachtung, wenn erglaubt geirrt zu haben oder, noch mehr, getäuscht zu sein, sichnun aus Scham durch Verachtung und Spott rächt; endlichmuß man gestehn, daß vorzüglich der Ausdruck warmer Be-geisterung und der höchsten innern Überzeugung Luthern unddessen Anhängern ein großes Übergewicht gegen die mattenVcrthcidiger der alten Formen verschaffte, die vor dem gesun-den Sinne des Volks nicht im Stande waren das gesunkeneKirchcnthum in allen Thcilcn zu retten. Wer also Allesschützen wollte, musste verlieren, wer gemäßigt den Mittelwegschritt, war zu verständig und eben darum zu kalt, um wir-ken und um sich behaupten zu können, wo Leidenschaften auf-geregt waren.

So schritten die Reformatoren immer frei und frischdurch, das Volk hörte sie und glaubte dem Ausdrucke der

1) Worte Kantzows. Pomerama Bd. IV. S. 340 vergl. S. 319.