Die Reformation bis zum Religionskriege. 28?
aus dem Dorothccnkloster in Breslau wcgnchmen und standmit Luther und Melanchthon im Briefwechsel. Unter einemsolchen Bischöfe kann es kaum auffallen, daß bereits im Marz1518, also wenige Monate nachdem sich Luther öffentlich ge-gen den Ablaß erhoben hatte, das Domcapitel den Beschlußfasste und schriftlich nicderlcgte: keine Ablaßprcdigcr im bres-lauischen Sprengel zuzulassen, weil, ausser anderen Gründen,das Volk derselben überdrüssig sei und sie verspotte. Unterdes Bischofs Brüdern, den Besitzern der Herrschaft Plcß, brei-tete sich hier die Reformation ebenfalls aus. Alle BischöfeSchlesiens im sechszehnten Jahrhunderte waren theils äußer-lich Freunde der Lutheraner, theils in ihrem Benehmen, ausKlugheit, nachsichtig oder friedfertig gegen die Protestanten.Ferdinand, der Bruder Kaiser Karls V., den die Böhmennach Ludwigs Tode bei Mohacz als Gemahl der Schwester 1526desselben zum Könige gewählt und die Schlesier als solchenangenommen hatten, war, ohne Fanatiker zu sein, doch derReformation im Herzen mehr entgegen, als man gewöhnlichmeint. Er bewies das öfters, sobald er frei von Rücksichtenhandeln zu können glaubte. So verbot er den Druck und 5. Nov.Verkauf lutherischer Bücher bei Lebcnsstrafc, und wie hart er 1528dem unglücklichen Johann Friedrich nach der Schlacht beiMühlberg begegnete, ist bekannt. Er hätte die Protestantengern unterdrückt, allein daran hinderten ihn anfänglich so-wohl die Türkenkricge als die Gefahr vor den bewaffnetenprotestantischen Reichsfürsten, später das sehr zweideutige Ver-hältniß zu seinem Bruder, indem Karl V. seinem SohnePhilipp die Nachfolge im Reiche gern zugcstchert hätte. Dar-ein wollte Ferdinand nicht willigen und musste deshalb dieProtestanten schonen, um sich im Nothfalle aus sie stützen zukönnen. So beschränkte er sich in Schlesien auf einzelne Hem-mungen gegen die Reformation.
Allen andern Städten leuchteten, wie früher, die Bres-lauer durch religiösen Eifer ausnehmend vor. Der ausgebrci-tcte Handel begünstigte die vielfachen Verbindungen der Ge-lehrten Breslaus mit dem Auslande, und wir haben viele Bei-spiele in der Reformationsgcschichte dieser Stadt, daß sie inkurzer Zeit benachrichtigt war von Vorfällen, die sich in vcr-