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1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
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Buch m. Erstes Hauptstück.

zahlte; die hohe Geistlichkeit befand sich ohne Anstrengungwohl; was wollte man mehr? Indessen hatten doch schonmehrmals weltliche Fürsten bei ihrer wachsenden Macht imLande und ihren steigenden Gcldbcdürfnissen es ungern ge-fehlt, daß so große Summen für den Ablaß nach Rom gin-gen, waren auch selbst schon hemmend dagegen eingeschritten.

Wie kam es nun, daß in unseren wie in den ihnen be-nachbarten Landern nicht nur die gebildeten Stande, haupt-sächlich in großen Städten, sondern auch die ungebildete Mengeauf dem Lande die Reformation so leicht und durchaus frei-willig annahm, was unmöglich eine Folge gründlicher Prü-fung sehr schwer zu beurtheilender Gegenstände sein konnte?Man kann durchaus nicht sagen, daß die Masse ihren Fürstenfolgte, denn gerade bei diesen zeigt sich neben auffallender Über-einstimmung im Volk eine große Verschiedenheit der Denk-art und Handlungsweise im Bezug auf die Reformation.

Der Kurfürst Albrccht von Mainz, der auch als Erzbischofvon Magdeburg für uns nicht ohne Einfluß war, wog langeab, was für ihn am vorthcilhaftcsten sein würde. Er schwanktewie ein Rohr und hätte den Protestantismus ebensowohl un-terdrückt als ihn vertheidigt, wenn ihm nicht zu Beidcm derMuth gefehlt hätte. Daher nahm die Reformation im Mag-deburgischen sehr schnell überhand, und die Hauptstadt desHochstifts war bereits vier Jahre nach Luthers erstem Auftretenso völlig für die Verbesserung gewonnen, daß Rath und Ge-meinde Kirchcncollegien wählten und diesen die völlige Ein-richtung des Gottesdienstes der lutherischen Lehre gemäß über-trugen. Dieses alles geschah im Ganzen ohne Eewaltthä-tigkeit, vorzüglich weil der Erzbischof cs nicht wagte sich zuwidersetzen und daher seinen Räthen austrug vor allen Din-gen zu sorgen, daß er Geld bekäme, übrigens Alles gehn zulassen, da Papst und Kaiser die Reformation auch in ihrenLändern nicht hätten verhindern können '). Ganz anders seinkräftiger Bruder, Kurfürst Joachim von Brandenburg. Die-ser wurde ein heftiger Gegner Luthers. Er gab dadurch un-

1) Nathmann Geschichte der Stadt Magdeburg. Bd. III. S.331 ff. vergl. S. 209 ff.