Druckschrift 
1 (1830) Vom Jahre 1191 bis 1640
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

278 ' Buch 117. Erstes Hauptstück.

Das empörende Verfahren, dessen sich nun die Agentenderselben, besonders der Dominicaner Tezcl, bei dem vom Papsteangeblich für den Bau der Pcterskirchc ausgeschriebenen Ablasseerlaubten, die -Frechheit, mit der diese Menschen aller Sitt-lichkeit Hohn sprachen, sogar zukünftige Sünden vergaben undso für Geld allen Lastern Thür und Thor öffneten, hatte be-reits an vielen Orten den Unwillen der Besseren erregt, dochwagte Niemand laut zu sprechen. Die Macht derer, welcheihren Vortheil bei dem Unwesen fanden, das Beispiel von Hußund anderen Zeugen der Wahrheit schreckte ab. Desto allge-meiner war der Beifall, den Martin Luther, Professor ander vom Kurfürsten Friedrich dem Weisen eben errichteten Uni-versität Wittenberg, fand, als er voll gerechten Unwillens öf-fentlich fünf und neunzig Satze über das Wesen des Ablassesund die Mißbrauche beim Handel mit demselben anschlug undsich erbot über dieselben zu disputiren.

Anfangs sahen die großen Herren den gelehrten Streitüber einzelne Lehren und Verhältnisse der Kirche, wie gewöhn-lich, sehr gleichgültig mit an, dann verfuhren sie übereilt, undbald war der Anhang Luthers so .stark, daß es nicht wohlmöglich war ihn ohne Gewalt zu unterdrücken; dieses aberschien höchst gefährlich.

So begann die Reformation und ging ihren natürlichenGang, wie jedes größere Ereigniß im menschlichen Leben.Es war Nichts von den großen Erfolgen vorausgesehn, be-rechnet, ja sogar eigentlich bezweckt. Luther selbst, als er denZünder an die Mine legte, ohne deren Umfang zu kennen,erschrak anfänglich, als sie mit so lautem Gekrache und gro-ßer Wirkung in die Höhe sprang. Er fasste sich bald, begriffseine Stellung und begann nun erst unerschrocken den Kampfauf Leben und Tod gegen die Mißbräuche der Kirche.

So mancherlei äussere Umstände Luthers Unternehmen be-günstigten, so wäre es doch einem jeden Andern vielleicht un-möglich geworden damals schon das auszuführcn, was ihmgelang. - Es ist weder Luthers gerade Derbheit, noch seinWitz und Spott, weder sein Scharfsinn und seine Kenntnisse,noch seiner gelehrten Freunde, vorzüglich des so wissenschaft-lichen als unbescholtenen und friedfertigen Mclanchthon, Unter-