276 Buch III. Erstes Hauptstück.
deutsche Drden in seinen Streitigkeiten mit Polen bestimmtablchntc: „weil dort Alles feil sei." Wie in Rom, so ge-nossen in den übrigen Ländern besonders die Klostergeistlichcnihre großen Reichthümer und geriethcn wegen ihrer Schwel-gerei und Ausschweifung bei dem Volke in Verachtung. Nunwirkte besonders die Buchdruckerkunst und die zu gleicher Zeitmit ihr erwachte und durch sie beförderte Liebe zu den Wis-senschaften auf allgemeinere Verbreitung von Kenntnissen undErregung des menschlichen Geistes. Hierdurch entstand einedoppelte scharfe Spaltung in der Geistlichkeit selbst. Überallwo noch irgend sittliches Gefühl vorhanden ist, wird dasselbeam stärksten durch Unsittlichkcit geweckt. Dieses war auchbei der Geistlichkeit zur Zeit der Reformation der Fall. Ge-rade die Verworfenheit und Schlaffheit der Einen weckte dieMoralität und die Kraft der Andern. Ferner bildeten sichjetzt mehr Geistliche als früher wissenschaftlich aus und hattennun ein gemeinschaftliches Interesse gegen die Unwissenden,welche oft im Besitze der Macht waren. Der zur bloßenForm herabgesunkene Gottesdienst machte den Besseren imVolke das Bcdürfniß einer reinem Verehrung fühlbar. Da-her sehen wir eben, wie die Breslauer und Danziger, welchenoch nach der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts so eifriggegen die Hussiten waren, sich dennoch sehr früh gegen dasalte Kirchenthum erklären, wie das überhaupt bei der gebilde-ten Classe der Einwohner größerer Städte überall der Fallwar. Es beruhete aber die Macht der römischen Kirche nurauf der Meinung der Menschen von ihr. Diese war jetztin vielen Theilen verändert, so wankte das alte Gebäude;es hätte vielleicht noch eine kürzere oder längere Zeit äusserlicherhalten werden können, aber die Trennung kam durch dieSchwäche und Haltungslosigkeit der Anhänger des Alten unddurch den Muth der Anhänger dessen, was man neu nannte,an den offenen Tag, und die Strahlen der Sonne drangendurch den Riß auch in die düsteren Gemächer der römischenKirche. Es bedurfte nur einer Veranlassung zur allgemeinenBewegung, und diese fand sich in einem der schändlichstenMisbräuche, zu dem je eine ursprünglich unschuldige Einrich-tung durch Arglist und Habsucht entwürdigt worden ist.