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Buch II. Eilftes Hauptstück.
und die Nothwendigkeit, bei den zu führenden Unterhandlun-gen und bei Besetzung der Gerichte der Rechte kundige Räthezu haben, was unsere Fürsten veranlasstc Universitäten zugründen. Dieses begriff Herzog Wratislav IX. von -Pom-mern-Wolgast, ein vortrefflicher Fürst, der für gute Einrich-tung der Gerichte in seinem Lande ebenso besorgt war wiespäter Joachim I. von Brandenburg. Tr stiftete daher (1456)die Universität zu Greifswalde, anfänglich auf tausend Gold-gulden Capital (etwa zweitausend vierhundert Thaler), dassich durch Vermächtnisse von Privatpersonen bald ansehnlich ver-mehrte. Sie hatte die drei Facultäten der Theologie, Rcchts-gelahrtheit und der sieben freien Künste oder (wie wir jetztsagen) der Philosophie. Für die Arznei war noch Niemand,indem die Pommern mit fast allen Niedcrsachsen, wie der ehr-liche Chronist Kantzow bemerkt, nicht groß halten von denÄrzten. Wirklich beschäftigten sich diese mehr mit der Astro-logie als mit der Naturkunde und wurden so wenigstens vonden Fürsten besoldet, da sie ausserdem hungern mussten.
Die Universität Greifswalde konnte indessen ebensowe-nig zu bedeutender Blüthe gelangen als das früher (1415)gestiftete Rostock und später Frankfurt an der Oder. Es lagdieses wohl hauptsächlich, ausser manchen Nebcuursachen, daran,daß diese Anstalten nicht aus dem innern, verhältnißmäßigenBedürfnisse der Völker als vielmehr dem der Fürsten entstan-den. Von diesen wurden die Professoren, besonders die derRechte, häufig an den Hof gezogen und hier als Räthe,auch zu Gesandtschaften und auswärtigen Verhandlungen ge-braucht. Deshalb wunderte sich auch Kurfürst-Friedrich II. vonBrandenburg, als die pommerschen Räthe des Herzogs Wra-tislav bei Verhandlungen seine Gründe so trefflich bestritten,und soll gesagt haben: welcher Teufel die Pommern jetzt soklug gemacht hätte; zuvor hätte man besser mit ihnen handelnund sie über ein Bein werfen können ').
Die Stiftung der Universität Frankfurt gab indessen un-streitig die nächste Veranlassung, daß die damals sehr reicheund ansehnliche Stadt Breslau daran dachte selbst eine Uni-
1) Kantzow Bd. n. S. 98.